Altersvorsorgedepot optimal nutzen: Der perfekte Plan
So holst du das Maximum aus der staatlichen ETF-Förderung und kombinierst sie clever mit deinem eigenen ETF-Depot.
- Ab Januar 2027 fördert der Staat dein ETF-Sparen mit bis zu 540 € Grundzulage pro Jahr, dazu kommen 300 € je Kind.
- Die ersten 360 € im Jahr bringen 50 % Zulage. Das ist der stärkste Hebel, den du sofort mitnehmen solltest.
- Den geförderten Höchstbetrag von 1.800 € schöpfst du voll aus und kassierst die kompletten 540 € geschenkt.
- Mehr als 1.800 € pro Jahr bringt keine extra Zulage. Diesen Teil legst du besser in dein flexibles ETF-Depot.
- Gutverdiener holen über die Günstigerprüfung bis zu 1.053 € Förderung pro Jahr heraus.
Inhaltsverzeichnis +
Was das Altersvorsorgedepot ist
Das Altersvorsorgedepot ist der Nachfolger der Riester-Rente. Der Bundestag beschloss es Ende März 2026, der Bundesrat stimmte am 8. Mai 2026 zu. Ab dem 1. Januar 2027 kannst du ein solches Depot eröffnen. Zum ersten Mal fördert der Staat damit echtes ETF-Sparen statt teurer Versicherungsmäntel.
Der entscheidende Unterschied zu Riester: Die alte Beitragsgarantie fällt weg. Du darfst bis zu 100 % in Aktien-ETFs investieren und nutzt so die volle Renditechance der Kapitalmärkte. Wer noch 15 Jahre oder mehr bis zur Rente hat, braucht diese Garantie ohnehin nicht. Im weltweiten Aktienmarkt gab es über Zeiträume von mehr als 15 Jahren bisher keine Verlustphase.
Neu ist auch der Kreis der Berechtigten. Neben Angestellten dürfen jetzt erstmals auch Selbstständige, Freiberufler und Gewerbetreibende die Förderung nutzen. Genau diese Gruppe stand bei Riester außen vor. Anbieten dürfen die Depots Banken, Fondsgesellschaften und Neobroker. Wenn du noch tiefer in die Grundlagen einsteigen willst, hilft dir unsere ETF-Anleitung für Einsteiger weiter.
Diese Wertpapiere sind erlaubt
Im Altersvorsorgedepot kaufst du Fonds der Risikoklassen eins bis fünf von sieben sowie Anleihen von EU-Staaten, Ländern und Gemeinden. Einzelaktien, Zertifikate und Kryptowährungen darfst du dagegen nicht kaufen. Für den Vermögensaufbau ist das kein Nachteil: Ein breiter Welt-ETF auf den MSCI All Country World oder den FTSE All-World deckt alles ab, was du brauchst.
Die Förderung verstehen: der Sweet-Spot
Die Grundzulage hat zwei Stufen. Auf die ersten 360 € legt der Staat 50 % drauf, also bis zu 180 €. Auf jeden weiteren Euro bis 1.800 € gibt es 25 %, also bis zu 360 € zusätzlich. Wer die vollen 1.800 € einzahlt, bekommt damit 540 € Grundzulage pro Jahr.
Der wichtigste Punkt steckt in der ersten Stufe. Die ersten 360 € bringen dir sofort 50 % Rendite, bevor der ETF überhaupt einen Cent verdient hat. Keine andere legale Geldanlage schafft das. Diesen Sweet-Spot solltest du immer ausschöpfen, selbst wenn du sonst wenig sparst.
Kinderzulage und Berufseinsteiger-Bonus
Hast du Kinder, kommt die Kinderzulage obendrauf. Sie beträgt 100 % auf bis zu 300 € Eigenbeitrag je Kind, also maximal 300 € pro Kind. Zwei Kinder bringen so 600 € extra. Wer vor dem 25. Geburtstag abschließt, sichert sich zusätzlich einen einmaligen Berufseinsteiger-Bonus von 200 €.
Merksatz: Zahle immer mindestens 360 € pro Jahr ein und fülle nach Möglichkeit auf 1.800 € auf. Damit holst du die komplette Grundzulage von 540 € und verschenkst keinen Cent staatliches Geld.
Der Steuerhebel für Gutverdiener
Neben der Zulage wirkt ein zweiter Hebel: Du gibst deine Beiträge in der Steuererklärung an und das Finanzamt zieht sie als Sonderausgaben ab. Per Günstigerprüfung wählt es automatisch, was für dich besser ist: die Zulage oder der Steuerabzug. Du musst nichts selbst rechnen.
Je höher dein Steuersatz, desto größer der Effekt. Bei einem Grenzsteuersatz von 42 % bringt der Abzug von 2.340 € (1.800 € Eigenbeitrag plus 540 € Zulage) rund 983 € Steuerersparnis. Die bereits erhaltene Zulage von 540 € rechnet das Finanzamt an, sodass du etwa 443 € zusätzlich über den Steuerbescheid zurückbekommst.
Für Durchschnittsverdiener bleibt es meist bei der Zulage von 540 €, mit einem kleinen Plus aus der Steuer. Für Gutverdiener wird der Steuerabzug zum eigentlichen Renditetreiber.
Der perfekte Plan: zwei Depots kombinieren
Jetzt kommt der Kern. Du kannst pro Jahr höchstens 6.840 € selbst in dein Altersvorsorgedepot einzahlen, die Förderung gilt aber nur für den Teil bis 1.800 €. Dazu kommt: An das Geld kommst du regulär erst ab 65, und Einzelaktien sind nicht erlaubt. Genau deshalb gehören zu einem runden Plan zwei Depots, das geförderte Altersvorsorgedepot und ein flexibles ETF-Depot.
Die Reihenfolge, in der du dein Geld verteilst
- Mindestens 360 € ins Altersvorsorgedepot. Diese erste Stufe verdoppelt der Staat fast und schenkt dir 180 €. Diesen 50 %-Hebel nimmst du immer mit.
- Auf 1.800 € im Jahr auffüllen. Das sind 150 € im Monat. Dafür kassierst du die volle Grundzulage von 540 €.
- Kinderzulage sichern. Mit Kindern holst du je Kind bis zu 300 € zusätzlich, sobald du den Mindestbeitrag erfüllst.
- Steuererklärung nicht vergessen. Trag die Beiträge ein. Bei hohem Steuersatz holt dir die Günstigerprüfung mehrere Hundert Euro extra.
- Alles weitere ins ETF-Depot. Jeden Euro über 1.800 € legst du in deinem eigenen Depot an. Dort bleibst du flexibel und kommst jederzeit an dein Geld.
Altersvorsorgedepot und ETF-Depot im Vergleich
Altersvorsorgedepot
- Bis 540 € Zulage und Steuervorteil pro Jahr
- Steuerfreies Wachstum in der Ansparphase
- Umschichten und Rebalancing ohne Steuer
- Geld erst ab 65 verfügbar
- Nur Fonds, keine Einzelaktien
- Eigenbeitrag auf 6.840 € pro Jahr gedeckelt
Normales ETF-Depot
- Jederzeit verfügbar, volle Flexibilität
- Freie Wahl, auch Einzelaktien
- 30 % Teilfreistellung auf Aktien-ETFs
- Keine staatliche Zulage
- Jährliche Vorabpauschale auf Gewinne
- Abgeltungssteuer beim Verkauf
Wie stark der geförderte Kern wirkt, zeigt der direkte Vergleich. Wer 35 Jahre lang 1.800 € pro Jahr einzahlt, steckt im Altersvorsorgedepot zusätzlich 540 € Zulage jährlich in den Markt und zahlt in der Ansparphase keine Steuer.
Auch nach Steuern bleibt der geförderte Kern vorn. Im Altersvorsorgedepot versteuerst du die Auszahlung zwar voll, im normalen Depot greift dafür schon während der Laufzeit die Vorabpauschale und am Ende die Abgeltungssteuer. Unterm Strich gilt eine einfache Faustregel: Solange dein Steuersatz in der Rente unter rund 34 % bleibt, schlägt der geförderte Kern jedes normale Depot.
Vier Profile, vier konkrete Pläne
Der perfekte Plan sieht für jeden etwas anders aus. Diese vier Beispiele zeigen, wie du je nach Situation am meisten herausholst. Alle Endwerte rechnen mit 7 % Rendite pro Jahr und einer jährlichen Einzahlung am Jahresende. Deine eigenen Zahlen setzt du in unseren Altersvorsorgedepot-Rechner ein.
| Profil | Plan | Förderung pro Jahr | Depotwert |
|---|---|---|---|
| Durchschnittsverdiener | 1.800 € voll ausschöpfen | 540 € | ca. 323.000 € nach 35 J. |
| Gutverdiener (42 %) | 1.800 € gefördert, Rest ins ETF-Depot | 983 € | ca. 323.000 € Kern, plus ETF-Depot |
| Familie, 2 Kinder | 1.800 € plus Kinderzulagen | 1.140 € | ca. 406.000 € nach 35 J. |
| Selbstständige | 1.800 € gefördert als zweite Säule | 540 € | ca. 221.000 € nach 30 J. |
Durchschnittsverdiener
Du zahlst 150 € im Monat und sicherst dir die vollen 540 € Zulage. Aus 63.000 € eigenem Einsatz und 18.900 € Zulagen wird über 35 Jahre ein Depot von rund 323.000 €. Mehr Aufwand brauchst du nicht, der geförderte Höchstbetrag ist hier schon das Optimum.
Gutverdiener
Du schöpfst die 1.800 € aus und holst über die Günstigerprüfung rund 983 € Förderung. Da du mehr sparen willst und flexibel bleiben möchtest, fließt jeder weitere Euro in dein eigenes ETF-Depot. So verbindest du maximale Förderung mit voller Verfügbarkeit.
Familie mit zwei Kindern
Neben deinen 540 € Grundzulage sicherst du dir 2 mal 300 € Kinderzulage. Macht 1.140 € Förderung pro Jahr auf 1.800 € Eigenbeitrag, also 63 %. Aus dem gleichen Einsatz wachsen so rund 406.000 € statt 323.000 €. Für Familien ist das Altersvorsorgedepot das mit Abstand stärkste Angebot.
Selbstständige
Zum ersten Mal bekommst du als Selbstständiger staatliche Förderung fürs Vorsorgesparen. Gerade ohne gesetzliche Rente ist das Altersvorsorgedepot eine starke zweite Säule. Schon 30 Jahre mit 1.800 € pro Jahr ergeben rund 221.000 €, und du bleibst über dein ETF-Depot zusätzlich flexibel.
Kosten, Auszahlung und Steuern im Alter
Bei den Kosten zieht der Gesetzgeber eine klare Grenze. Das verpflichtende Standarddepot darf höchstens 1 % pro Jahr kosten. Ein guter Welt-ETF liegt bei 0,05 % bis 0,25 %. Diesen Unterschied solltest du ernst nehmen.
| Variante | Laufende Kosten | Depotwert nach 40 Jahren |
|---|---|---|
| Günstiger Welt-ETF | 0,2 % pro Jahr | ca. 341.000 € |
| Teures Standardprodukt | 1,0 % pro Jahr | ca. 279.000 € |
| Unterschied | rund 60.000 € |
Wähle deshalb ein schlankes Depot bei einer Bank oder einem Neobroker und einen breiten Welt-ETF. Versicherer dürfen das Altersvorsorgedepot zwar auch anbieten, verpacken es aber in eine fondsgebundene Rentenversicherung mit Abschluss- und Verwaltungskosten. Diese Verpackung kostet dich auf Dauer viel Rendite.
So läuft die Auszahlung
Zum Rentenstart kannst du bis zu 30 % des Kapitals sofort entnehmen. Den Rest zahlst du dir über einen Auszahlplan bis mindestens zum 85. Lebensjahr aus. Eine lebenslange Versicherungspflicht wie bei Riester gibt es nicht mehr. Damit bleibst du im Alter deutlich freier.
Die Besteuerung im Alter
- Geförderter Teil (bis 1.800 € plus Zulagen): Die Auszahlung versteuerst du voll mit deinem persönlichen Steuersatz. Im Alter liegt der meist niedriger als im Berufsleben.
- Zusätzlicher Teil (1.800 € bis 6.840 €): Hier greift die günstigere Ertragsanteilsbesteuerung. Bei Rentenbeginn mit 65 sind das nur rund 18 % der Auszahlung.
- Einmalauszahlung des Zusatzteils: Nach mindestens 12 Jahren Laufzeit versteuerst du nur die Hälfte der Gewinne.
Achtung: Kündige einen bestehenden Riester-Vertrag nicht vorschnell. Bei einer Kündigung zahlst du alle Zulagen und Steuervorteile zurück. Besser ist, das Guthaben ins Altersvorsorgedepot zu übertragen, den Vertrag umzustellen oder ihn ruhen zu lassen. Wie der Wechsel im Detail läuft, liest du in unserem Ratgeber zum Riester-Wechsel. Der Schritt ins neue System ist allerdings endgültig.
Hacks und Nischen-Tricks
Diese Kniffe machen aus einem guten Plan einen perfekten. Sie kosten dich kaum Aufwand, holen aber jedes Jahr spürbar mehr heraus.
- Den 50 %-Trick immer mitnehmen. Selbst wer knapp bei Kasse ist, zahlt wenigstens die ersten 360 €. Diese bringen 180 € Zulage und damit sofort 50 % Rendite.
- Als Paar verdoppeln. Jeder Partner führt ein eigenes Depot. Zwei mal 1.800 € bringen zwei mal 540 €, also 1.080 € Zulage im Haushalt.
- Kinderzulage voll ausreizen. Schon 300 € Eigenbeitrag je Kind reichen für die volle Zulage von 300 €. Bei zwei Kindern sind das 600 € geschenkt.
- Berufseinsteiger-Bonus sichern. Wer vor dem 25. Geburtstag abschließt, bekommt 200 € einmalig. Auch ein kleiner Vertrag mit Mindestbeitrag sichert den Bonus.
- Steuerstundung schlägt Vorabpauschale. Im Altersvorsorgedepot zahlst du in der Ansparphase keine Vorabpauschale. Dein ganzes Kapital bleibt investiert und verzinst sich weiter.
- Thesaurierend statt ausschüttend. Da die Wiederanlage steuerfrei läuft, hält ein thesaurierender Welt-ETF den Zinseszins ohne Reibung am Laufen.
- Günstigerprüfung automatisch nutzen. Du rechnest nichts selbst. Trag die Beiträge in die Steuererklärung und das Finanzamt wählt die bessere Variante.
- Surplus konsequent ins ETF-Depot. Jeder Euro über 1.800 € bringt im Altersvorsorgedepot keine Zulage mehr. Im eigenen Depot nutzt du dagegen die 30 % Teilfreistellung und bleibst flexibel. Wie stark die jährliche Vorabpauschale dein normales Depot bremst, zeigt dir unser Vorabpauschale-Rechner.
Rechenbeispiel Paar mit zwei Kindern: Zwei volle Verträge bringen 1.080 € Grundzulage plus 600 € Kinderzulage. Das sind 1.680 € staatliches Geld pro Jahr, ganz ohne Steuervorteil mitgerechnet.
Häufige Fragen zum Altersvorsorgedepot
Lohnt sich das Altersvorsorgedepot für mich?
Wie viel kann ich pro Jahr einzahlen?
Brauche ich zusätzlich ein normales ETF-Depot?
Was passiert mit meinem Riester-Vertrag?
Rechtliche Grundlagen und Daten
Maximale Förderung im Altersvorsorgedepot, volle Flexibilität im ETF-Depot
Ich halte das Altersvorsorgedepot für das beste geförderte Vorsorgeprodukt, das Deutschland je hatte. Die ersten 360 € mit 50 % Zulage sind ein Geschenk, das du dir nicht entgehen lassen solltest. Wer kann, füllt auf die vollen 1.800 € auf und nimmt die kompletten 540 € mit.
Genauso wichtig ist die zweite Hälfte des Plans. Das Depot ist gedeckelt und bis 65 gebunden. Für alles darüber hinaus und für echte Flexibilität brauchst du dein eigenes ETF-Depot. Diese Kombination aus gefördertem Kern und freiem Depot ist für mich der perfekte Plan.
Eine Bitte zum Schluss: Lass dich von der wegfallenden Garantie nicht abschrecken. Über lange Zeiträume ist der breite Aktienmarkt deine beste Absicherung, nicht eine teure Garantie, die Rendite frisst.
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