Altersvorsorgedepot: Wer vom Riester-Nachfolger profitiert
Staatliche Förderung, ETF-Anlage und echte Renditechancen – wie das neue Altersvorsorgedepot funktioniert und ob es sich für dich lohnt.
- Das Altersvorsorgedepot ist ein staatlich gefördertes Wertpapierdepot zur privaten Altersvorsorge – der Start ist ab 1. Januar 2027 möglich.
- Du kannst in ETFs, Aktien und Fonds investieren – ohne Beitragsgarantie, dafür mit echten Renditechancen.
- Die Grundzulage ist gestaffelt: bis zu 540 € pro Jahr bei einem Eigenbeitrag von 1.800 €.
- In der Auszahlungsphase werden nur 80 % der Entnahmen mit deinem persönlichen Steuersatz besteuert.
- Die Entnahme ist steuerbegünstigt nach 12 Jahren Laufzeit und ab dem 62. Lebensjahr möglich.
- Für die meisten Sparer schlägt das Altersvorsorgedepot das klassische Riester-Modell deutlich – besonders auf lange Sicht.
Was ist das Altersvorsorgedepot?
Das Altersvorsorgedepot ist ein staatlich gefördertes Wertpapierdepot, das aus der deutschen Altersvorsorge-Reform hervorgeht. Es schließt eine lange bestehende Lücke: Bislang fehlte in Deutschland ein einfaches, gefördertes Vehikel, um direkt am Kapitalmarkt für das Alter zu sparen. Riester-Verträge waren teuer, unflexibel und renditearm. Das Altersvorsorgedepot löst dieses Problem.
Der Kerngedanke: Du zahlst Geld in ein speziell zertifiziertes Depot ein. Der Staat belohnt das mit einer direkten Zulage auf deinen Beitrag. Das Depot-Kapital investierst du eigenverantwortlich in Wertpapiere – vor allem in breit gestreute ETFs. Die Erträge wachsen steuerbegünstigt. In der Rentenphase entnimmst du das Geld mit einem steuerlichen Vorteil.
Das ist der entscheidende Unterschied zu früheren Förderinstrumenten: Kein teurer Versicherungsmantel, keine Garantiepflicht, kein intransparentes Produkt. Du behältst die Kontrolle über dein Geld und kannst trotzdem staatliche Unterstützung mitnehmen.
Das Altersvorsorgedepot gibt es nicht als fertiges Finanzprodukt zu kaufen. Es ist ein zertifizierter Depot-Typ, den Banken und Broker anbieten können. Die Eröffnung ist ab dem 1. Januar 2027 möglich.
Wer ist förderberechtigt?
Die Förderung steht einem breiten Personenkreis offen. Grundvoraussetzung ist die unbeschränkte Steuerpflicht in Deutschland sowie die Zugehörigkeit zu einer der förderberechtigten Gruppen. Förderberechtigt sind nach dem Reformentwurf insbesondere:
- Pflichtversicherte in der gesetzlichen Rentenversicherung (also die Mehrheit aller Arbeitnehmer)
- Beamte, Richter und Soldaten sowie vergleichbar abgesicherte Gruppen
- Bestimmte selbständig Erwerbstätige mit Einkünften nach § 15 oder § 18 EStG, die eine Steuererklärung abgegeben haben
- Pflichtmitglieder berufsständischer Versorgungseinrichtungen (z. B. Ärzte, Rechtsanwälte, Architekten)
Selbstständige: differenziert betrachten
Anders als beim Riester-Modell schließt das Altersvorsorgedepot auch bestimmte Selbstständige und Freiberufler ein – sofern sie die entsprechenden Einkunftsvoraussetzungen erfüllen und eine Steuererklärung abgeben. Ob du als Selbstständiger konkret förderberechtigt bist, hängt von deinem individuellen Status ab. Lass das im Zweifel von einem Steuerberater prüfen.
Gut zu wissen: Ehepaare können das Altersvorsorgedepot jeweils separat führen und beide die volle Förderung erhalten – vorausgesetzt, beide sind eigenständig förderberechtigt. Es gibt kein gemeinsames Depot für Paare.
Wie hoch ist die staatliche Förderung?
Die Förderung besteht aus mehreren Bausteinen, die sich addieren können. Im Mittelpunkt steht die Grundzulage – ein direkter staatlicher Zuschuss auf deine Einzahlungen.
Grundzulage: gestaffelt bis max. 540 €
Die Grundzulage folgt keiner einfachen Prozentregel, sondern einem gestaffelten System. Der Staat zahlt 50 % auf die ersten 360 € deines Eigenbeitrags (max. 180 €) und 25 % auf weitere Einzahlungen bis insgesamt 1.800 € (max. weitere 360 €). Wer den vollen Förderbetrag ausschöpft, erhält damit bis zu 540 € Grundzulage pro Jahr – bei einem Eigenbeitrag von 1.800 €.
Stufe 2: Weitere 1.440 € × 25 % = 360 € Zulage
Gesamte Zulage bei 1.800 € Eigenbeitrag: 540 €
Gesamtanlage: 1.800 € + 540 € = 2.340 €
Kinderzulage
Für jedes Kind, für das du Kindergeld erhältst, gibt es eine zusätzliche Kinderzulage von bis zu 300 € pro Kind und Jahr. Diese wird auf den Elternteil angerechnet, der das Kindergeld bezieht. Für Familien mit mehreren Kindern erhöht sich die Gesamtförderung damit erheblich.
Berufseinsteiger-Bonus
Wer das Altersvorsorgedepot erstmals im Jahr eröffnet, in dem er noch keine 25 Jahre alt ist, erhält einen einmaligen Berufseinsteiger-Bonus. Dieser Bonus soll das frühzeitige Sparen incentivieren – wer früh anfängt, profitiert am stärksten vom Zinseszinseffekt.
| Eigenbeitrag / Jahr | Grundzulage | Gesamtanlage | Förderquote |
|---|---|---|---|
| 360 € | 180 € (50 %) | 540 € | 50 % |
| 1.000 € | 340 € (gestaffelt) | 1.340 € | 34 % |
| 1.800 € (Maximum) | 540 € (gestaffelt) | 2.340 € | 30 % |
Weitere Förderbausteine
- Kinderzulage: bis zu 300 € pro Kind und Jahr bei Kindergeldbezug – schon bei geringen Eigenbeiträgen erreichbar.
- Berufseinsteiger-Bonus: einmaliger Bonus für Erstsparer, die das Depot vor ihrem 25. Geburtstag eröffnen.
- Steuerlicher Sonderausgabenabzug: Eigenbeiträge können als Sonderausgaben geltend gemacht werden. Das Finanzamt prüft, ob der daraus resultierende Steuervorteil die Zulage übersteigt – ist das der Fall, gibt es die Differenz als Steuererstattung zurück. Für Gutverdiener besonders attraktiv.
Besteuerung: Ansparen und Entnehmen
Das Altersvorsorgedepot folgt dem sogenannten nachgelagerten Besteuerungsprinzip. Das bedeutet: In der Ansparphase genießt du Steuervorteile, in der Entnahmephase zahlst du Steuern – aber dann zu einem in der Regel niedrigeren Steuersatz als heute.
Ansparphase: Steuerbegünstigtes Wachstum
Während du ansparest, fallen auf Kursgewinne, Dividenden und Zinsen innerhalb des Altersvorsorgedepots keine Abgeltungsteuer und kein Solidaritätszuschlag an. Dein Kapital wächst also ohne jährlichen Steuereinschlag – und du profitierst voll vom Zinseszinseffekt auf das gesamte Vermögen, nicht nur auf das Netto-Kapital.
Zum Vergleich: In einem normalen Depot werden Gewinne jährlich oder beim Verkauf mit 25 % Abgeltungsteuer belastet. Über 20 oder 30 Jahre macht dieser Unterschied einen erheblichen Teil des Endvermögens aus.
Entnahmephase: 80-Prozent-Regel
In der Rentenphase zahlst du Einkommensteuer auf deine Entnahmen – aber nur auf 80 % des ausgezahlten Betrags. Die verbleibenden 20 % bleiben steuerfrei. Entscheidend ist dabei dein persönlicher Einkommensteuersatz im Rentenalter, der meist deutlich unter dem Satz während der Erwerbsphase liegt.
Steuerlast = steuerpflichtige Entnahme × persönlicher Steuersatz
Beispiel: 1.000 € Entnahme, Steuersatz 20 %
Steuerlast = 1.000 € × 80 % × 20 % = 160 €
Wann darf ich entnehmen?
Die geförderte Entnahme ist unter zwei Voraussetzungen möglich: Das Depot muss mindestens 12 Jahre bestanden haben, und du musst das 62. Lebensjahr vollendet haben. Wer beide Bedingungen erfüllt, profitiert vollständig von der 80-Prozent-Regelung und muss keine Zulagen zurückzahlen.
Vorzeitige Entnahme vor dem 62. Lebensjahr oder vor Ablauf von 12 Jahren gilt als „schädliche Verwendung“. In diesem Fall werden alle erhaltenen Zulagen zurückgefordert, und auf die Erträge fällt regulär Abgeltungsteuer an. Plane das Depot daher als langfristiges Instrument.
Welche Anlagen sind im Altersvorsorgedepot erlaubt?
Hier liegt einer der größten Vorteile gegenüber dem klassischen Riester-Modell: Du bist nicht auf teure Versicherungsprodukte oder garantiebehaftete Fonds beschränkt. Allerdings ist die Anlagefreiheit auch nicht unbegrenzt – der Gesetzgeber schreibt vor, welche Produktklassen zulässig sind.
Was ist erlaubt?
Zugelassen sind Wertpapiere der Risikoklassen 1 bis 5 nach dem europäischen SRRI-System. Konkret erlaubt sind:
- ETFs auf anerkannte Indizes (OGAW-konforme Fonds)
- Aktiv gemanagte Investmentfonds
- Anleihen und Anleihen-ETFs
Ausdrücklich nicht erlaubt sind Einzelaktien, Kryptowährungen, Hebelprodukte und Zertifikate. Der Fokus liegt auf diversifizierten, regulierten Produkten – was für die meisten Sparer kein echtes Problem darstellt.
ETFs: Die erste Wahl für langfristige Anleger
Breit gestreute ETF-Investments sind innerhalb des erlaubten Rahmens die naheliegendste und sinnvollste Option. Ein globaler Aktien-ETF wie ein MSCI World oder MSCI All Country World Index bildet tausende Unternehmen aus aller Welt ab und streut das Risiko maximal. Thesaurierende ETFs, die Dividenden automatisch reinvestieren, sind dabei besonders effizient – sie nutzen den Zinseszinseffekt in der Ansparphase optimal aus.
Für das Altersvorsorgedepot eignen sich besonders ETFs auf folgende Indizes:
- MSCI World (ca. 1.500 Unternehmen aus 23 Industrieländern)
- MSCI All Country World Index – ACWI (zusätzlich Schwellenländer)
- FTSE All-World (ähnlich wie ACWI, anderer Index-Anbieter)
- S&P 500 (500 größte US-Unternehmen, für stärkere USA-Gewichtung)
Keine Beitragsgarantie – bewusst kein Nachteil
Anders als Riester verlangt das Altersvorsorgedepot keine Beitragsgarantie. Das klingt zunächst nach einem Risiko – ist aber für langfristige Anleger mit einem Horizont von 15 oder mehr Jahren ein klarer Vorteil. Garantieprodukte schränken die Anlagestrategie zwangsläufig ein und drücken die Rendite spürbar. Wer 20 oder 30 Jahre Zeit hat, kann kurzfristige Marktschwankungen gut aussitzen.
Bei welchem Anbieter das Altersvorsorgedepot eröffnen?
Das Altersvorsorgedepot wird von Banken, Brokern und Fondsgesellschaften angeboten, die eine entsprechende Zertifizierung besitzen. Weil das Modell relativ neu ist, baut sich das Anbieterfeld schrittweise auf – Neobroker und Direktbanken sind dabei in der Regel besonders früh und besonders günstig am Start.
Worauf du bei der Anbieter-Wahl achten solltest
- Depot- und Ordergebühren: Beim Altersvorsorgedepot fallen meist dieselben Kosten wie beim normalen Depot an. Niedrige oder keine Depotgebühren sind entscheidend, da sie über Jahrzehnte viel ausmachen.
- ETF-Auswahl: Achte auf eine breite Auswahl an kostengünstigen Welt-ETFs (TER unter 0,2 %).
- Sparplanfähigkeit: Monatliche Sparpläne ohne Aufschlag sind ideal für regelmäßiges Ansparen.
- Zulagenabwicklung: Der Anbieter sollte die Zulagenbeantragung automatisch über die Zentrale Zulagenstelle für Altersvermögen (ZfA) abwickeln.
- Benutzerfreundlichkeit: Gerade wenn du langfristig und eigenverantwortlich investierst, sollte die App oder Plattform übersichtlich und zuverlässig sein.
Prüf beim Anbieter immer explizit, ob das angebotene Depot als Altersvorsorgedepot nach dem neuen Modell zertifiziert ist. Ein normales Depot ist kein Altersvorsorgedepot – auch wenn du es für die Rente nutzt, erhältst du dann keine Förderung.
Altersvorsorgedepot vs. Riester vs. freies ETF-Depot
Drei Optionen stehen nebeneinander. Welche für dich die richtige ist, hängt von deiner Lebenssituation ab. Der direkte Vergleich macht die Unterschiede deutlich.
| Merkmal | Altersvorsorgedepot | Riester | Freies ETF-Depot |
|---|---|---|---|
| Staatliche Förderung | Ja, gestaffelt bis 540 € | Ja, Zulage + Steuervorteil | Nein |
| Anlagestrategie | ETFs, Fonds, Anleihen (Risikoklasse 1–5) | Eingeschränkt, oft teuer | Vollständig frei |
| Beitragsgarantie | Nein | Ja (Pflicht) | Nein |
| Renditeerwartung | Hoch (Kapitalmarkt) | Niedrig (durch Garantie) | Hoch (Kapitalmarkt) |
| Kosten | Gering (max. 1,0–1,5 % Effektivkosten) | Hoch (Versicherungskosten) | Gering (Brokergebühren) |
| Besteuerung der Entnahme | 80 % mit persönl. Steuersatz | Voll mit persönl. Steuersatz | 25 % Abgeltungsteuer |
| Steuerfreies Wachstum | Ja, in der Ansparphase | Ja, in der Ansparphase | Nein (laufend besteuert) |
| Flexibilität | Mittel (gebunden bis 62) | Gering (stark reguliert) | Sehr hoch (jederzeit) |
| Geeignet für | Die meisten Arbeitnehmer | Familien mit vielen Kindern | Alle, ergänzend zum AV-Depot |
Wichtig: Im Altersvorsorgedepot sind keine Einzelaktien erlaubt. Zulässig sind ausschließlich ETFs, Investmentfonds und Anleihen der Risikoklassen 1–5 (SRRI). Kryptowährungen und Zertifikate sind ebenfalls ausgeschlossen. Das schränkt die Freiheit etwas ein, schützt aber vor zu hoher Einzeltitelkonzentration.
Mein Fazit zum Vergleich
Für die Mehrheit der Sparer in Deutschland ist das Altersvorsorgedepot die überzeugendste Option. Es verbindet staatliche Förderung mit maximaler Anlagefreiheit und niedrigen Kosten. Riester lohnt sich noch in Ausnahmefällen: für Familien mit vielen kindergeldberechtigten Kindern oder für Niedrigverdiener mit sehr hohen Zulagen relativ zum Eigenbeitrag.
Das freie ETF-Depot ist kein Konkurrent, sondern eine sinnvolle Ergänzung. Wer über den jährlichen Förderrahmen des Altersvorsorgedepots hinaus investieren möchte, legt den Rest einfach ungebunden im klassischen Depot an.
Schritt für Schritt: So legst du mit dem Altersvorsorgedepot los
Der Einstieg ist einfacher, als er klingt. Du brauchst kein tiefes Finanzwissen – aber ein klares Vorgehen.
Schritt 1: Förderberechtigung prüfen
Stell zunächst sicher, dass du die Grundvoraussetzungen erfüllst: unbeschränkte Steuerpflicht in Deutschland und eigene Einkünfte aus Erwerbstätigkeit bzw. Pflichtbeiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung. Für die allermeisten Arbeitnehmer ist das klar erfüllt.
Schritt 2: Anbieter auswählen und Depot eröffnen
Wähle einen zertifizierten Broker, der das Altersvorsorgedepot anbietet. Achte auf niedrige Ordergebühren, eine gute ETF-Auswahl und sparplanfähige Produkte. Die Kontoeröffnung läuft meist vollständig digital und dauert wenige Minuten.
Schritt 3: Steuer-ID und ZfA-Zulagenantrag
Um die staatliche Zulage zu erhalten, musst du beim Anbieter deine Steuer-Identifikationsnummer angeben und einmalig einen Dauerzulagenantrag stellen. Gute Anbieter führen dich durch diesen Prozess automatisch. Danach läuft die Zulagenbeantragung jedes Jahr automatisch ab.
Schritt 4: ETF-Strategie festlegen
Entscheide dich für deine Anlagestrategie. Für die meisten Einsteiger empfiehlt sich ein einziger globaler Aktien-ETF auf den MSCI World oder FTSE All-World – thesaurierend, mit einer Gesamtkostenquote (TER) unter 0,2 % pro Jahr. Einfach halten ist hier eine Tugend.
Schritt 5: Sparplan einrichten
Richte einen monatlichen Sparplan ein. Um die volle Grundzulage von 540 € zu erhalten, musst du jährlich 1.800 € einzahlen – das entspricht 150 € pro Monat. Kannst du das nicht aufbringen, zahlst du weniger und erhältst die Zulage anteilig.
Davon trägt der Staat: 540 € / Jahr = 45 € / Monat
Schritt 6: Langfristig dabei bleiben
Das Altersvorsorgedepot entfaltet seine volle Kraft durch Geduld. Lass Kursschwankungen kalt. Die Zulage und das steuerfreie Wachstum arbeiten langfristig für dich. Überprüfe deine Strategie einmal jährlich, nicht täglich.
