Finanzielle Freiheit

Entnahmeplan-Rechner: So lange reicht dein Vermögen

Berechne in drei Modi: wie viel du monatlich entnehmen kannst, wie lange dein Vermögen reicht oder wie viel Kapital du brauchst. Inklusive Inflation, Steuern und Kapitalverlauf.

Jahre
Inflationsangepasst
Konstant nominal
Dein Ergebnis

Monatliche Entnahme

Brutto pro Monat
0 €
vor Steuern
Netto pro Monat
0 €
nach Steuern
Heutige Kaufkraft
0 €
inflationsbereinigt
Gesamtentnahme
0 €
über die Laufzeit
Davon Steuern
0 €
an das Finanzamt
Endkapital
0 €
am Ende der Laufzeit
Hinweis:

Kapitalverlauf über die Jahre

Nominales Kapital
Reale Kaufkraft
Kumulierte Entnahmen
Detaillierte Jahresübersicht anzeigen
Jahr Kapital Jahresende Brutto-Entnahme Steuer Netto-Entnahme Kaufkraft heute

Alles, was du zum Entnahmeplan wissen musst

Vom Grundprinzip über die richtige Entnahmerate bis zu Steuern und Inflation. Hier findest du alles, was du brauchst, um dein Vermögen sicher und planbar zu nutzen.

Grundlagen

Was ist ein Entnahmeplan und wie funktioniert er?

Ein Entnahmeplan kehrt die Logik des Sparplans um. Statt jeden Monat Geld in dein Depot einzuzahlen, holst du jeden Monat einen festen Betrag heraus. Das verbleibende Kapital arbeitet im Hintergrund weiter und erzielt Rendite. Genau dieser Effekt sorgt dafür, dass dein Geld viel länger reicht als die simple Division „Vermögen geteilt durch Wunschrente“.

Drei Größen bestimmen, wie dein Plan ausgeht:

  • Höhe der Entnahme: Wie viel holst du jeden Monat heraus?
  • Rendite des verbleibenden Kapitals: Welche Verzinsung erzielst du auf das, was im Depot bleibt?
  • Inflation: Wie viel Kaufkraft verliert deine Entnahme über die Zeit?

Der Rechner oben löst die Gleichung nach jedem dieser drei Faktoren auf. Du wählst, welche Größe du suchst, und gibst die anderen vor.

Berechnung

Die Formel hinter dem Entnahmeplan

Bei einer nominal konstanten Entnahme gilt für die monatliche Auszahlung die klassische Annuitätenformel:

E = (K₀ × (1 + i)nR) × i / ((1 + i)n − 1)
E = monatliche Entnahme, K₀ = Startkapital, i = Monatszins, n = Anzahl Monate, R = Restkapital am Ende.

Sobald du die Inflation einbaust, steigt die Entnahme jeden Monat um die Inflationsrate. Die Formel wird dann zur geometrischen Reihe mit zwei Wachstumsraten. Der Rechner löst sie für dich exakt auf, ohne dass du selbst rechnen musst.

Wichtig ist die reale Rendite, also Rendite minus Inflation. Sie zeigt, wie viel dein Kapital wirklich wächst. Bei 5 % Rendite und 2 % Inflation liegt die reale Rendite bei rund 2,94 %. Das klingt wenig, macht aber den entscheidenden Unterschied für die Laufzeit.

Beispielrechnungen

Drei Szenarien für 500.000 € Startkapital

So unterschiedlich fällt die monatliche Entnahme aus, wenn du Rendite und Laufzeit veränderst. Alle Werte mit 2 % Inflation, inflationsangepasst, ohne Steuern.

Szenario Rendite p.a. Laufzeit Entnahme Monat 1 Kaufkraft heute
Konservativ 3 % 30 Jahre 1.600 € 1.600 €
Moderat 5 % 30 Jahre 2.090 € 2.090 €
Offensiv 7 % 30 Jahre 2.630 € 2.630 €
Moderat, kürzer 5 % 20 Jahre 2.750 € 2.750 €
Moderat, länger 5 % 40 Jahre 1.770 € 1.770 €

Zwei Prozentpunkte mehr Rendite ergeben rund 500 € mehr im Monat. Genauso stark wirkt die Laufzeit. Wer von 20 auf 40 Jahre verlängert, bekommt rund ein Drittel weniger pro Monat. Plane deine Entnahme also lieber etwas länger als zu kurz.

Die 4-Prozent-Regel

Trinity Study: Wie viel kannst du sicher entnehmen?

Die bekannteste Faustformel zur Entnahme stammt aus der Trinity Study (1998). Drei Professoren der Trinity University in Texas haben untersucht, wie hoch die Entnahmerate sein darf, damit ein Portfolio aus Aktien und Anleihen 30 Jahre lang durchhält. Das Ergebnis: 4 % des Startkapitals pro Jahr, jährlich an die Inflation angepasst.

Bei 500.000 € sind das 20.000 € pro Jahr oder rund 1.667 € pro Monat. In über 95 % der historischen Verläufe hätte das Kapital die 30 Jahre überlebt, in vielen Fällen wäre am Ende sogar mehr da als zu Beginn.

Wichtig zu wissen: Die 4-Prozent-Regel beruht auf US-Daten mit 50 bis 75 % Aktienanteil. Für deutsche Anleger mit niedrigeren Aktienquoten oder längeren Laufzeiten ist eine Rate von 3,0 bis 3,5 % konservativer. Bei sehr früher Rente mit 50 Jahren und über 40 Jahren Laufzeit gehen viele Studien sogar nur von 3,0 % aus.

Der Rechner oben rechnet exakter als die Faustformel, weil er deine konkreten Werte verwendet. Trotzdem bleibt die 4-Prozent-Regel ein guter Plausibilitätscheck. Liegt deine berechnete Entnahmerate deutlich darüber, ist dein Plan möglicherweise zu optimistisch kalkuliert.

Steuern

Was bleibt nach Steuern übrig?

Jede Entnahme aus deinem Depot löst eine Steuer auf den Gewinn-Anteil aus. Maßgeblich ist die Abgeltungssteuer in Höhe von 25 %, dazu kommt der Solidaritätszuschlag von 5,5 % auf die Steuer. Effektiv zahlst du also 26,375 % auf realisierte Kursgewinne. Bei Kirchensteuer kommen je nach Bundesland weitere 8 % oder 9 % auf die Abgeltungssteuer hinzu.

Drei Hebel reduzieren die Steuerlast spürbar:

  • Teilfreistellung: Bei Aktien-ETFs sind 30 % der Gewinne steuerfrei, bei Mischfonds 15 %. Dein effektiver Steuersatz sinkt damit auf 18,46 % bzw. 22,42 %.
  • Sparerpauschbetrag: 1.000 € pro Jahr (2.000 € bei Zusammenveranlagung) bleiben komplett steuerfrei. Stelle dafür einen Freistellungsauftrag bei deiner Bank.
  • FIFO-Prinzip: Steuer fällt nur auf den Gewinnanteil deiner verkauften Anteile an. Wer früh investiert hat und nun entnimmt, zahlt anteilig mehr Steuer als jemand mit kürzerer Haltedauer.

Der Rechner berücksichtigt diese drei Hebel, wenn du im erweiterten Bereich die passende Anlageklasse, deinen aktuellen Buchgewinn und den Sparerpauschbetrag angibst.

Strategien und Fallstricke

So vermeidest du, dass dein Geld früher reicht als gedacht

Die größte Gefahr beim Entnahmeplan heißt Sequence-of-Returns-Risk. Wenn die Börsen direkt in den ersten Entnahmejahren stark fallen, fehlt dem Depot die Substanz, um sich später wieder zu erholen. Zwei Portfolios mit identischer Durchschnittsrendite können dadurch komplett unterschiedlich ausgehen.

Drei Strategien helfen, dieses Risiko zu reduzieren:

  • Bucket-Strategie: Drei bis fünf Jahresentnahmen als Tagesgeld oder kurzlaufende Anleihen vorhalten. In Crashphasen lebst du davon, das Aktiendepot bleibt unangetastet und kann sich erholen.
  • Dynamische Entnahme mit Guardrails: In schlechten Börsenjahren senkst du die Entnahme um 10 bis 20 %, in guten Jahren passt du sie nach oben an. Das verlängert die Laufzeit deutlich.
  • Fester Sicherheitspuffer: Mit 10 bis 15 % Restkapital am Ende rechnen, statt das Depot punktgenau auf null laufen zu lassen. So fängst du eine schlechte Renditeentwicklung ab.
Häufiger Fehler: Die Rendite vor Inflation eintragen und vergessen, die Inflationsrate hochzustellen. Wer 7 % Rendite annimmt, aber Inflation auf 0 lässt, plant mit einer Kaufkraft, die so nie eintreten wird. Setze die Inflation realistisch auf 2 bis 3 % p.a. (langjähriger EZB-Zielwert plus aktueller Puffer).
FAQ

Häufige Fragen zum Entnahmeplan

Was ist besser: nominal konstante oder inflationsangepasste Entnahme?

Wenn du heute denselben Lebensstandard sichern willst wie in 20 Jahren, ist die inflationsangepasste Entnahme die ehrliche Variante. Du beginnst dann mit einem kleineren Monatsbetrag, der jedes Jahr automatisch steigt. Bei nominal konstanter Entnahme bekommst du am Anfang mehr, verlierst aber durch die Inflation jährlich Kaufkraft. Nach 30 Jahren mit 2 % Inflation hat 1 € heute nur noch 55 Cent Kaufkraft.

Praxis-Tipp: Für die Planung mit inflationsangepasster Entnahme rechnen. Für die tatsächliche Auszahlung dann jedes Jahr neu schauen, ob die Anpassung sinnvoll ist (etwa nach einem schlechten Börsenjahr eher pausieren).

Wie viel Aktienquote sollte mein Depot in der Entnahmephase haben?

Eine sinnvolle Bandbreite liegt zwischen 40 % und 70 % Aktien. Zu wenig Aktien (unter 30 %) bedeutet zu wenig Wachstum, das Kapital reicht dann oft nicht über lange Zeiträume. Zu viel Aktien (über 80 %) macht dich anfällig für das Sequence-of-Returns-Risk. Die klassische Empfehlung der 60/40-Aufteilung (60 % Aktien, 40 % Anleihen oder Tagesgeld) hat sich in vielen historischen Verläufen bewährt.

Wer früh in Rente geht und über 40 Jahre Laufzeit hat, sollte tendenziell zu mehr Aktien greifen. Wer mit über 70 in den Entnahmeplan startet, kann den Anleihen-Anteil höher fahren.

Was passiert, wenn ich monatlich entnehme statt jährlich?

Mathematisch ist der Unterschied gering, weil das verbleibende Kapital monatlich statt jährlich verzinst wird. In der Praxis sind monatliche Entnahmen aber deutlich einfacher zu handhaben, weil sie deinem laufenden Lebenshaltungsbedarf entsprechen. Der Rechner oben rechnet intern monatlich und stellt die Werte als Monatsbeträge dar.

Achte bei deiner Bank oder deinem Broker auf die Kosten pro Order. Bei Neobrokern wie Trade Republic, Scalable oder Comdirect sind monatliche Verkäufe meist kostenlos, bei klassischen Filialbanken oft nicht.

Was kostet mich die Steuer wirklich?

Das hängt von deinem Buchgewinn ab. Hast du dein Kapital über 20 Jahre angespart und liegt der Gewinnanteil bei 60 %, dann sind 60 % jeder Entnahme steuerpflichtig. Bei einem Aktien-ETF mit Teilfreistellung zahlst du darauf 18,46 % Steuer. Bei 2.000 € Entnahme also rund 222 € Steuer, netto bleiben dir 1.778 €.

Über die Jahre wird der Buchgewinn-Anteil tendenziell größer, weil das Kapital weiter wächst. Im Schnitt rechnen die meisten Anleger mit einer effektiven Steuerbelastung zwischen 8 % und 14 % auf die Brutto-Entnahme, abhängig von Anlageklasse und Haltedauer. Der erweiterte Bereich im Rechner zeigt dir deinen individuellen Wert.

Florians Finanz Fazit

Lieber 30 Jahre planen als 20 Jahre hoffen

Ein Entnahmeplan steht und fällt mit der ehrlichen Einschätzung von Rendite und Lebensdauer. Wer hier zu optimistisch rechnet, sitzt im Zweifel mit 78 Jahren ohne Reserven da. Plane daher lieber mit konservativen 4 % Rendite und einer Laufzeit, die fünf Jahre länger ist als dein realistischer Bedarf. Wenn am Ende doch Geld übrig bleibt, ist das ein gutes Problem.

Mein zweiter Hinweis: Trenne die Entnahmephase nicht zu strikt von der Sparphase. Bleib im Aktien-ETF investiert, schichte nicht abrupt in 100 % Tagesgeld um. Das nimmt dir die Rendite, die du eigentlich brauchst. Eine Mischung aus 50 bis 60 % Aktien-ETF und 40 bis 50 % Tagesgeld plus kurzlaufende Anleihen ist für die meisten Anleger der richtige Kompromiss.

Und schließlich: Behalte die Steuer im Blick. Wer ein Depot mit hohem Buchgewinn entnimmt, kann durch geschickte Reihenfolge der verkauften Positionen einiges sparen. Verkaufe zuerst Positionen mit niedrigem Buchgewinn, hebe Positionen mit hohem Buchgewinn für später auf. Das verschiebt die Steuerlast nach hinten und gibt dir mehr Netto in den ersten Jahren.

Florian Baumann - Gründer finanzfacts.de
Über den Autor
Florian Baumann

Florian hat Wirtschaftsinformatik in Würzburg studiert und bringt über 15 Jahre Erfahrung im Online-Marketing mit. Seit mehreren Jahren investiert er privat in ETFs, Aktien, Krypto und Immobilien. Mit finanzfacts.de möchte er Menschen den einfachsten Weg vom Finanzeinsteiger zum informierten Investor zeigen.

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