Teilzeit Brutto Netto Vergleich
Sieh sofort, was eine Reduzierung der Wochenstunden bei dir brutto und netto bedeutet. Die Berechnung folgt dem offiziellen BMF-Programmablaufplan 2026 und vergleicht Vollzeit und Teilzeit Seite an Seite.
Wie der Teilzeit-Rechner Vollzeit und Teilzeit vergleicht
Beide Berechnungen laufen durch denselben offiziellen Programmablaufplan des Bundesfinanzministeriums. So siehst du die echte Steuer- und Sozialabgaben-Last, nicht eine grobe Schätzung.
Was sich beim Wechsel von Vollzeit in Teilzeit ändert
Mit weniger Wochenstunden sinkt zuerst dein Bruttogehalt linear. Aus 4.500 € bei 40 Stunden werden bei 30 Stunden also 3.375 €. Das ist die einfache Seite.
Die spannende Frage ist, wie viel davon netto auf deinem Konto landet. Lohnsteuer, Solidaritätszuschlag, Kirchensteuer und Sozialabgaben werden bei Teilzeit nicht einfach proportional weniger. Die Lohnsteuer ist progressiv: Auf das niedrigere Brutto trifft ein niedrigerer Steuersatz, weshalb du anteilig spürbar weniger Steuern zahlst. Die Sozialabgaben (rund 21 %) bleiben prozentual gleich, solange du unter den Beitragsbemessungsgrenzen liegst.
Das Ergebnis: Bei Teilzeit verlierst du üblicherweise weniger Netto, als das Brutto sinkt. Genau diesen Effekt zeigt der Rechner mit der Kennzahl „Teilzeit-Effizienz“.
Sechs Schritte vom Brutto zum Netto
Der Programmablaufplan 2026 arbeitet in fester Reihenfolge. Im Detail-Tab unter dem Ergebnis siehst du alle Abzüge für beide Szenarien:
- Hochrechnung des Monatsbruttos auf den Jahresarbeitslohn.
- Ermittlung der Tabellenfreibeträge aus Arbeitnehmer-Pauschbetrag (1.230 €), Sonderausgaben-Pauschbetrag (36 €) und Entlastungsbetrag bei Steuerklasse II.
- Vorsorgepauschale für Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung.
- Zu versteuerndes Einkommen = Jahresbrutto minus Freibeträge minus Vorsorgepauschale.
- Tariflicher Einkommensteuerbetrag nach § 32a EStG (Konstanten UPTAB26).
- Solidaritätszuschlag (Freigrenze 20.350 €), Kirchensteuer, anschliessend Aufteilung auf den Monat.
Netto-Differenz = Vollzeit-Netto − Teilzeit-Netto
Teilzeit-Effizienz = (Teilzeit-Netto / Vollzeit-Netto) / (Teilzeit-Stunden / Vollzeit-Stunden)
Eine Teilzeit-Effizienz von 110 % bedeutet: Du verlierst nur 90 % vom Netto, obwohl du 100 % der reduzierten Stunden weniger arbeitest. Du arbeitest also weniger pro Netto-Euro als vorher.
4.500 € brutto, 40 auf 30 Stunden, Steuerklasse I
Konkretes Szenario für eine ledige Person ohne Kinder, gesetzlich krankenversichert, NRW, Zusatzbeitrag 2,9 %, ohne Kirchensteuer:
| Position | Vollzeit 40 h | Teilzeit 30 h |
|---|---|---|
| Brutto pro Monat | 4.500 € | 3.375 € |
| Lohnsteuer | 658,83 € | 382,58 € |
| Sozialabgaben (AN) | 938,25 € | 703,70 € |
| Netto pro Monat | 2.902,92 € | 2.288,73 € |
| Netto je Stunde (4,33 Wo./Monat) | 16,76 € | 17,62 € |
Trotz 25 % weniger Wochenstunden landet das Netto bei rund 79 % des Vollzeit-Wertes. Der Stundenlohn netto steigt sogar leicht von 16,76 € auf 17,62 €. Das ist der Steuerprogressionseffekt in Reinform.
Beitragssätze und Bemessungsgrenzen
| Zweig | Gesamt | Arbeitnehmer | BBG / Jahr |
|---|---|---|---|
| Rentenversicherung | 18,6 % | 9,3 % | 101.400 € |
| Arbeitslosenversicherung | 2,6 % | 1,3 % | 101.400 € |
| Krankenversicherung | 14,6 % + Zusatz | 7,3 % + Zusatz/2 | 69.750 € |
| Pflegeversicherung | 3,6 % (Basis) | 1,8 % +/− Zu-/Abschläge | 69.750 € |
Der durchschnittliche Zusatzbeitrag der GKV liegt 2026 bei 2,9 %. Pflegeversicherungs-Zuschlag für Kinderlose ab 23: 0,6 %. Ab dem zweiten bis fünften Kind reduziert sich der Arbeitnehmeranteil um jeweils 0,25 % pro Kind. In Sachsen trägt der Arbeitnehmer 2,3 % statt 1,8 % an der Pflegeversicherung.
Was bei Teilzeit zu beachten ist
Vier Punkte, die beim Wechsel in Teilzeit fast immer relevant werden:
- Rentenpunkte sinken anteilig. Wer 75 % arbeitet, sammelt 75 % der Entgeltpunkte. Das wirkt sich erst bei der Rente aus, ist aber spürbar. Eine Hochrechnung liefert der Rentenpunkte-Rechner.
- Krankengeld und Elterngeld berechnen sich aus dem aktuellen Brutto. Wer vor der Geburt schon Teilzeit hat, bekommt entsprechend weniger Elterngeld. Anders bei der Mutterschaftszuschuss-Phase, die das laufende Gehalt voll absichert.
- Anspruch auf Teilzeit. Nach § 8 TzBfG haben Beschaeftigte mit mehr als sechs Monaten Betriebszugehörigkeit in Betrieben ab 15 Mitarbeitern Anspruch auf Teilzeit. Der Arbeitgeber kann nur aus betrieblichen Gründen ablehnen.
- Brückenteilzeit (§ 9a TzBfG). In Betrieben ab 45 Mitarbeitern kannst du Teilzeit für ein bis fünf Jahre beantragen und danach automatisch in die alte Stundenzahl zurück. Das ist der unterschätzte Hebel für Eltern und Pflegende.
Häufige Fragen zum Teilzeit-Rechner
Warum sinkt das Netto bei Teilzeit weniger stark als das Brutto?
Lohnt sich Teilzeit finanziell mehr als ein Minijob daneben?
Wie wirkt sich Teilzeit auf meine Rente aus?
Welche Wochenstunden gelten als Vollzeit?
Rechtliche Grundlagen und Beitragssätze
- Programmablaufplan zur Lohnsteuerberechnung 2026 (Bundesministerium der Finanzen)
- § 32a Einkommensteuergesetz: Einkommensteuertarif (Gesetze im Internet)
- § 8 Teilzeit- und Befristungsgesetz: Anspruch auf Teilzeit (Gesetze im Internet)
- § 9a Teilzeit- und Befristungsgesetz: Brückenteilzeit (Gesetze im Internet)
- Beitragsbemessungsgrenzen 2026 (GKV-Spitzenverband)
- Sozialversicherungs-Rechengrößen 2026 (Deutsche Rentenversicherung)
Teilzeit lohnt sich, wenn du wichtige Punkte beachtest
Der Steuertarif arbeitet für dich, sobald du runtergehst. Eine Reduktion von 40 auf 30 Stunden kostet typisch 20 bis 22 % vom Netto, nicht 25 %. Aus 2.903 € werden rund 2.289 €. Das sind 614 € weniger pro Monat für einen ganzen freien Tag pro Woche. Wer das umrechnet, kommt auf einen unfreiwilligen Stundenlohn der wegfallenden Stunden, der oft unter dem regulären Netto-Stundenlohn liegt. Genau das macht Teilzeit so attraktiv für Eltern, Pflegende oder alle, die einen Tag pro Woche für sich brauchen.
Die freie Zeit muss nicht ungenutzt bleiben. Wer einen Tag pro Woche frei hat, kann auch eine Nebentätigkeit aufnehmen und das Einkommen direkt in einen ETF-Sparplan stecken. Ein Minijob bis 556 € bleibt für dich abgabenfrei, der Arbeitgeber zahlt Pauschalen. Wer aus diesen 556 € einen monatlichen ETF-Sparplan macht, hat nach 30 Jahren bei 7 % Rendite rund 680.000 €. So wird aus der Stundenreduktion kein Loch in der Vermögensbildung, sondern ein zweiter Hebel.
Zwei Punkte solltest du trotzdem ehrlich anschauen. Erstens die Rente: 25 % weniger Stunden bedeuten ein Viertel weniger Entgeltpunkte. Über 20 oder 30 Jahre summiert sich das zu mehreren hundert Euro monatlich. Der Hebel dagegen ist ein Altersvorsorgedepot mit der Differenz, die du nicht mehr brauchst. Zweitens die Krankheitsabsicherung: Krankengeld und Elterngeld berechnen sich aus dem aktuellen Brutto. Wer kurz vor einer Lebensphase mit hohem Absicherungsbedarf steht, sollte mit dem Wechsel noch warten oder zumindest eine private Erwerbsunfähigkeitsversicherung prüfen.
Mein Tipp: Rechne nicht nur das Heute-Netto, sondern auch die Rentenpunkte und schaue dir die Brückenteilzeit nach § 9a TzBfG an. Dort hast du nach ein bis fünf Jahren einen gesetzlichen Anspruch auf Rückkehr in die Vollzeit. Das nimmt der Entscheidung viel Druck.
