Abfindungsrechner mit Fünftelregelung
Berechne, wie viel Steuer auf deine Abfindung anfällt und wie viel du durch die Fünftelregelung nach § 34 EStG sparst. Tarif 2026, kostenlos und ohne Anmeldung.
Dein Ergebnis
Kurz gesagt
Bekommst du 60.000 € Abfindung bei 55.000 € Jahresbrutto, zahlst du darauf mit der Fünftelregelung laut Rechner 21.749 € Steuern statt 25.273 € bei regulärer Besteuerung. Das spart dir 3.524 € oder 13,9 %, netto bleiben 38.251 € von der Abfindung. Die Rechnung gilt für Ledige in Steuerklasse I ohne Kirchensteuer.
Beispielrechnung: Steuer auf die Abfindung mit Fünftelregelung
Alle Fälle gelten für Ledige in Steuerklasse I ohne Kirchensteuer, sofern nicht anders angegeben.
| Abfindung und Jahresbrutto | Steuer regulär | Steuer mit Fünftelregelung | Ersparnis | Netto-Abfindung |
|---|---|---|---|---|
| 20.000 € bei 40.000 € | 6.368 € | 5.815 € | 553 € (8,7 %) | 14.185 € |
| 30.000 € bei 45.000 € | 10.484 € | 9.240 € | 1.244 € (11,9 %) | 20.760 € |
| 60.000 € bei 30.000 € | 21.709 € | 16.620 € | 5.089 € (23,4 %) | 43.380 € |
| 60.000 € bei 55.000 € | 25.273 € | 21.749 € | 3.524 € (13,9 %) | 38.251 € |
| 60.000 € bei 55.000 €, verheiratet, Splittingtarif, Steuerklasse III | 18.210 € | 15.720 € | 2.490 € (13,7 %) | 44.280 € |
Steuerbeträge inklusive Solidaritätszuschlag, echte Abfindungen sind sozialversicherungsfrei, Stand Oktober 2026. Gerechnet mit diesem Rechner von finanzfacts.de.
Abfindung und Steuer: Was du wissen musst
Eine Abfindung wirkt auf den ersten Blick wie ein steuerlicher Albtraum. Mit der richtigen Strategie holst du dir aber einen erheblichen Teil zurück.
Wie hoch ist eine Abfindung? Die Faustformel nach § 1a KSchG
Einen allgemeinen Anspruch auf eine Abfindung gibt es nicht. Das Kündigungsschutzgesetz nennt aber einen Richtwert: Kündigt dein Arbeitgeber betriebsbedingt und bietet er dir im Kündigungsschreiben eine Abfindung nach § 1a KSchG an, bekommst du 0,5 Monatsverdienste für jedes Jahr im Betrieb, wenn du die dreiwöchige Frist für die Kündigungsschutzklage (§ 4 KSchG) verstreichen lässt. Mehr als sechs Monate rundet das Gesetz auf ein volles Jahr auf. Als Monatsverdienst zählt, was dir im letzten Monat bei regelmäßiger Arbeitszeit an Geld- und Sachbezügen zusteht (§ 10 Abs. 3 KSchG).
| Monatsverdienst | Im Betrieb | Gerechnete Jahre | Faktor 0,5 (§ 1a KSchG) | Zum Vergleich: Faktor 1,0 |
|---|---|---|---|---|
| 3.200 € | 4 Jahre, 8 Monate | 5 | 8.000 € | 16.000 € |
| 4.000 € | 12 Jahre, 3 Monate | 12 | 24.000 € | 48.000 € |
| 5.500 € | 21 Jahre, 7 Monate | 22 | 60.500 € | 121.000 € |
Beide Spalten zeigen die Bruttoabfindung. Was dir nach Steuern davon bleibt, rechnest du oben mit dem Rechner aus. In Verhandlungen weicht der Faktor oft von 0,5 ab. Er hängt vor allem davon ab, wie groß das Risiko deines Arbeitgebers ist, einen Prozess zu verlieren:
- Gilt das Kündigungsschutzgesetz? Dafür muss dein Arbeitsverhältnis länger als sechs Monate bestehen (§ 1 Abs. 1 KSchG) und der Betrieb in der Regel mehr als zehn Arbeitnehmer beschäftigen (§ 23 Abs. 1 KSchG). Ohne Kündigungsschutz ist deine Verhandlungsposition schwach.
- Wie angreifbar ist die Kündigung? Bei einer betriebsbedingten Kündigung muss der Arbeitgeber in der Sozialauswahl Betriebszugehörigkeit, Lebensalter, Unterhaltspflichten und Schwerbehinderung berücksichtigen (§ 1 Abs. 3 KSchG). Fehler an dieser Stelle stärken deine Position.
- Gibt es einen Sozialplan? Dann legt er die Abfindung meist nach einer festen Formel fest, und du verhandelst nur noch über Details wie den Auszahlungstermin.
- Was würde ein Gericht festsetzen? Löst das Arbeitsgericht das Arbeitsverhältnis auf, setzt es höchstens 12 Monatsverdienste fest. Ab 50 Jahren und 15 Jahren im Betrieb sind bis zu 15 Monatsverdienste möglich, ab 55 Jahren und 20 Jahren im Betrieb bis zu 18 (§ 10 KSchG).
Was ist die Fünftelregelung?
Die Fünftelregelung nach § 34 EStG mildert die Steuerprogression auf außerordentliche Einkünfte. Dazu zählen Abfindungen für den Verlust des Arbeitsplatzes, Entschädigungen und mehrjährige Vergütungen. Das Finanzamt tut so, als hättest du die Abfindung über fünf Jahre verteilt erhalten. Es berechnet die Steuer auf ein Fünftel der Abfindung zusätzlich zum laufenden Einkommen und multipliziert die Differenz zur normalen Einkommensteuer mit fünf.
Das senkt deine Steuerlast, weil die Abfindung so in einer niedrigeren Progressionsstufe landet. Ohne die Regelung rutscht ein großer Teil einer hohen Abfindung oft in den Spitzensteuersatz von 42 Prozent.
Die Reform von 2025: Was sich geändert hat
Seit dem 1. Januar 2025 darf der Arbeitgeber die Fünftelregelung nicht mehr direkt im Lohnsteuerabzug anwenden. Das Wachstumschancengesetz hat § 39b Absatz 3 Satz 9 EStG gestrichen. Vorher zog der Arbeitgeber bereits beim Auszahlen der Abfindung weniger Lohnsteuer ein, wenn er den Anspruch geprüft hatte.
Jetzt zieht der Arbeitgeber die volle Lohnsteuer auf die Abfindung ab. Du holst dir die Ersparnis erst über deine Einkommensteuerveranlagung im Folgejahr zurück. § 34 EStG bleibt also bestehen, nur der Zeitpunkt der Entlastung verschiebt sich.
Der Bürokratieabbau war das offizielle Ziel der Reform. Für dich bedeutet das: Die Ersparnis bekommst du nur, wenn du für das Jahr der Abfindung eine Steuererklärung abgibst. Beziehst du im selben Jahr mehr als 410 € Arbeitslosengeld, bist du dazu ohnehin verpflichtet (§ 46 Abs. 2 Nr. 1 EStG).
So funktioniert die Berechnung Schritt für Schritt
Die Logik klingt komplizierter als sie ist. Folge dem Schema:
Schritt 2: Ein Fünftel der Abfindung dazu = ESt(zvE_normal + Abfindung/5)
Schritt 3: Differenz bilden und mal fünf nehmen
Steuer auf Abfindung = 5 × [ESt(zvE_normal + Abfindung/5) − ESt(zvE_normal)]
Den Tarif liefert § 32a EStG. Für 2026 gilt ein Grundfreibetrag von 12.348 €. Ab 12.349 € zu versteuerndem Einkommen beginnt die Steuer mit einem Grenzsteuersatz von 14 Prozent. Er steigt bis 17.799 € auf rund 24 Prozent und danach weiter bis auf 42 Prozent. Ab 69.879 € greift der Spitzensteuersatz von 42 Prozent, ab 277.826 € der Höchststeuersatz von 45 Prozent.
Auf die berechnete Einkommensteuer kommen Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer (8 Prozent in Bayern und Baden-Württemberg, sonst 9 Prozent). Den Soli zahlst du 2026 erst, wenn deine Einkommensteuer im Jahr über 20.350 € liegt (Splitting: 40.700 €). Oberhalb dieser Freigrenze steigt er in einer Milderungszone mit höchstens 11,9 Prozent des übersteigenden Betrags an, bis er die vollen 5,5 Prozent der Einkommensteuer erreicht (§§ 3 und 4 SolZG). Eine hohe Abfindung kann dich deshalb in den Soli schieben, auch wenn du sonst keinen zahlst.
Teilzahlung oder Raten: Wann die Fünftelregelung wegfällt
Die Fünftelregelung gilt nur für Einkünfte, die zusammengeballt zufließen. Bei einer Abfindung heißt das: Du musst sie im Wesentlichen in einem einzigen Kalenderjahr bekommen. Zahlt dein Arbeitgeber sie in Teilbeträgen über den Jahreswechsel, ist die Steuerermäßigung grundsätzlich für beide Teile weg (BMF-Schreiben vom 1. November 2013, Rz. 8).
Zwei Ausnahmen solltest du kennen:
- Kleine Nebenleistung: Fließt im anderen Jahr nur ein kleiner Teil, bleibt die Fünftelregelung für die Hauptleistung erhalten. Der Bundesfinanzhof lässt das zu, wenn die Nebenleistung höchstens 10 Prozent der Hauptleistung beträgt oder niedriger ist als die Steuerersparnis, die die Fünftelregelung auf die Hauptleistung bringt (BFH, Urteil vom 13.10.2015, IX R 46/14). Die Finanzverwaltung wendet beide Grenzen seit dem BMF-Schreiben vom 4. März 2016 an. Beispiel: Bei 50.000 € Hauptleistung im Januar schaden 5.000 € im Dezember davor nicht.
- Soziale Zusatzleistungen: Übernimmt dein Arbeitgeber in den Folgejahren aus Fürsorge zum Beispiel Kosten für ein Outplacement oder zahlt er Zuschüsse zum Arbeitslosengeld, schadet das nicht, solange diese Leistungen weniger als 50 Prozent der Hauptleistung ausmachen (BMF-Schreiben vom 1. November 2013, Rz. 14).
Ob überhaupt eine Zusammenballung vorliegt, prüft das Finanzamt mit einer Vergleichsrechnung. Ist die Abfindung höher als die Einnahmen, die dir durch das Jobende bis zum Jahresende entgehen, ist die Bedingung immer erfüllt. Ist sie niedriger, zählt, ob du im Jahr insgesamt mehr bekommst als bei normal weiterlaufendem Job. Als Maßstab nimmt das Finanzamt in der Regel deine Einkünfte aus dem Vorjahr (BMF-Schreiben vom 1. November 2013, Rz. 9 bis 11).
Wo die Abfindung in die Steuererklärung gehört
Dein Arbeitgeber weist die Abfindung auf der Lohnsteuerbescheinigung gesondert unter Nummer 10 aus. In der Anlage N trägst du diesen Betrag in die Zeile für Arbeitslohn für mehrere Jahre und Entschädigungen ein. Er steckt bereits in deinem Bruttoarbeitslohn, die gesonderte Angabe sorgt dafür, dass das Finanzamt die Fünftelregelung anwendet. Kosten, die direkt mit der Abfindung zusammenhängen, zum Beispiel Anwaltskosten für die Verhandlung, gehören in die eigene Zeile für Werbungskosten zu Entschädigungen.
Warum die Erstattung so spät kommt: Seit 2025 zieht dein Arbeitgeber die Lohnsteuer auf die Abfindung ohne Fünftelregelung ab. Er rechnet so, als käme die Abfindung zu deinem Jahresgehalt hinzu, die einbehaltene Steuer liegt deshalb nahe an dem Wert, den der Rechner oben als Steuer regulär zeigt. Die Differenz setzt erst das Finanzamt im Einkommensteuerbescheid fest und überweist sie danach. Gib die Erklärung deshalb möglichst früh im Folgejahr ab. Welches Programm zu deinem Fall passt, zeigt der Steuersoftware-Vergleich.
Vier Strategien, mit denen du die Steuerlast drückst
Die Fünftelregelung wirkt am stärksten, wenn dein zu versteuerndes Einkommen im Jahr der Abfindung möglichst niedrig ist. Daraus ergeben sich vier Hebel:
- Abfindung ins nächste Jahr verschieben: Wenn dein Anstellungsverhältnis ohnehin zum Jahreswechsel endet, vereinbare die Auszahlung im Januar. Im neuen Jahr hast du kein Gehalt mehr, das maximiert den Effekt der Fünftelregelung. Arbeitslosengeld im selben Jahr zählt über den Progressionsvorbehalt aber mit, mehr dazu unten.
- Rürup-Rente nutzen: Beiträge zur Basisrente senken dein zu versteuerndes Einkommen direkt. 2026 sind bis zu 30.826 € (Ledige) bzw. 61.652 € (Verheiratete) als Sonderausgaben absetzbar (§ 10 Abs. 3 EStG). Davon gehen die Beiträge ab, die du und dein Arbeitgeber im selben Jahr in die gesetzliche Rentenversicherung zahlen. Eine Einmaleinzahlung im Jahr der Abfindung wirkt doppelt: weniger zvE bedeutet höhere Ersparnis durch die Fünftelregelung. Rentennah gibt es eine Alternative, die Sonderzahlung in die gesetzliche Rente (siehe unten).
- Verlustvorträge einsetzen: Hast du Verlustvorträge aus früheren Jahren (z. B. aus Aktien oder Vermietung), nutze sie im Jahr der Abfindung. Sie senken das zu versteuernde Einkommen und damit die Steuerprogression.
- Werbungskosten geltend machen: Bewerbungskosten, Umzugskosten, doppelte Haushaltsführung oder Fortbildungen nach Job-Ende sind absetzbar. Sammle Belege akribisch.
Krankenversicherung und Arbeitslosengeld nach Job-Ende
Echte Abfindungen sind sozialversicherungsfrei. Auf die Brutto-Abfindung fallen keine Beiträge zur Kranken-, Pflege-, Renten- oder Arbeitslosenversicherung an. Anders sieht es aus bei verkappten Lohnbestandteilen wie Resturlaubsabgeltung oder offenen Überstundenansprüchen: Diese bleiben voll beitragspflichtig.
Krankenversicherung
Mit dem Ende des Arbeitsverhältnisses endet auch die Pflichtversicherung. Wenn du Arbeitslosengeld beziehst, läuft deine gesetzliche Versicherung automatisch weiter. Solange dein Anspruch wegen der Abfindung ruht, bist du dagegen nicht über die Arbeitsagentur versichert. Ohne Arbeitslosengeld musst du dich freiwillig versichern. Die Beiträge richten sich nach deinem Einkommen, mindestens aber nach 1.318,33 € im Monat (2026). Mit dem ermäßigten Beitragssatz von 14,0 Prozent, dem durchschnittlichen Zusatzbeitrag von 2,9 Prozent und 3,6 Prozent Pflegeversicherung ergibt das einen Mindestbeitrag von rund 270 € im Monat, kinderlos ab 23 rund 278 €.
Achtung: Für freiwillige Mitglieder zählt die Abfindung selbst zu den beitragspflichtigen Einnahmen (Katalog der beitragspflichtigen Einnahmen des GKV-Spitzenverbands mit Verweis auf BSG, Urteil vom 15.10.2014, B 12 KR 10/12 R). Dein Beitrag kann deshalb deutlich über dem Mindestbeitrag liegen. Frag vorher bei deiner Krankenkasse nach, wie sie die Abfindung ansetzt.
Arbeitslosengeld und Sperrzeit
Eine Abfindung führt nicht automatisch zur Sperrzeit beim Arbeitslosengeld. Sie kann aber zu einem Ruhen des Anspruchs führen, wenn die ordentliche Kündigungsfrist nicht eingehalten wurde. Die Bundesagentur für Arbeit prüft, wann der Arbeitnehmer bei ordnungsgemäßer Kündigung tatsächlich ausgeschieden wäre. Während dieses Ruhenszeitraums fließt kein ALG, der Anspruch verkürzt sich dabei aber nicht.
Eine Sperrzeit von in der Regel 12 Wochen droht vor allem, wenn du selbst kündigst oder einen Aufhebungsvertrag ohne wichtigen Grund unterschreibst. Anders als das Ruhen verkürzt sie deinen Anspruch: um die Tage der Sperrzeit, bei 12 Wochen mindestens um ein Viertel (§ 148 Abs. 1 Nr. 4 SGB III). Einen wichtigen Grund erkennt die Bundesagentur unter anderem an, wenn dir dein Arbeitgeber sonst betriebsbedingt oder aus personenbezogenen Gründen gekündigt hätte, das Arbeitsverhältnis nicht früher endet als bei einer fristgerechten Kündigung und die Abfindung höchstens 0,5 Monatsgehälter je Beschäftigungsjahr beträgt (Fachliche Weisungen zu § 159 SGB III, Rz. 159.1.2.1.1). Dann prüft die Agentur nicht, ob die drohende Kündigung vor Gericht gehalten hätte.
Abfindung und Arbeitslosengeld im selben Jahr: der Progressionsvorbehalt
Arbeitslosengeld ist steuerfrei, unterliegt aber dem Progressionsvorbehalt (§ 32b Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 Buchst. a EStG). Das Finanzamt rechnet es nicht zu deinem Einkommen, erhöht damit aber den Steuersatz auf deine übrigen Einkünfte. Die Arbeitsagentur meldet die Beträge selbst an das Finanzamt, und bei mehr als 410 € Arbeitslosengeld im Jahr musst du eine Steuererklärung abgeben (§ 46 Abs. 2 Nr. 1 EStG).
Für die Abfindung heißt das: Das Finanzamt rechnet Fünftelregelung und Progressionsvorbehalt in einem Schritt zusammen (BFH, Urteil vom 17.01.2008, VI R 44/07). Das Arbeitslosengeld hebt den Steuersatz auf dein übriges Einkommen und auf das Fünftel der Abfindung. Die Steuer auf die Abfindung fällt dann höher aus, als der Rechner oben zeigt, denn er berücksichtigt kein Arbeitslosengeld.
Das betrifft vor allem den Tipp, die Abfindung in ein Jahr ohne Gehalt zu legen. Ohne weitere Einkünfte drückt die Fünftelregelung die Steuer dort besonders stark: Liegen dein übriges zu versteuerndes Einkommen und ein Fünftel der Abfindung zusammen nicht über dem Grundfreibetrag von 12.348 €, fällt auf die Abfindung rechnerisch keine Einkommensteuer an (§ 34 Abs. 1 Satz 2 EStG). Bei 60.000 € Abfindung und sonst keinem Einkommen ist ein Fünftel 12.000 €, die Steuer darauf 0 €. Beziehst du im selben Jahr Arbeitslosengeld, holt der Progressionsvorbehalt einen Teil dieses Vorteils zurück. Rechne den Fall deshalb mit allen Einkünften des Jahres in einer Steuersoftware oder mit einer Steuerberatung durch, bevor du den Auszahlungstermin festlegst.
Kurz vor der Rente: Rentenabschläge mit der Abfindung ausgleichen
Gehst du vorzeitig in Altersrente, kürzt die Rentenversicherung deine Rente um 0,3 Prozent je Monat vor der Regelaltersgrenze, und das lebenslang. Ab 50 kannst du diese Abschläge mit Sonderzahlungen ganz oder teilweise ausgleichen (§ 187a SGB VI). Eine Abfindung ist dafür eine naheliegende Geldquelle. Wann du frühestens gehen kannst und welcher Abschlag droht, zeigt der Rentenbeginn-Rechner mit Abschlägen.
- So läuft es ab: Du beantragst bei der Deutschen Rentenversicherung eine Auskunft zum Ausgleich einer Rentenminderung (Formulare V0210 und V0211). Sie nennt dir den Betrag, der den Abschlag ausgleicht. Du kannst ihn auf einmal oder in mehreren Teilzahlungen pro Jahr zahlen, eine feste Ratenzahlung sieht die DRV nicht vor.
- Kein Verfall: Gehst du doch später in Rente, bekommst du die Beiträge nicht zurück, sie erhöhen dann aber deine Rente.
- Du zahlst selbst: Die Sonderzahlungen sind Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung und damit Altersvorsorgeaufwendungen. Du setzt sie bis zum Höchstbetrag von 30.826 € (2026, Verheiratete 61.652 €) als Sonderausgaben ab, abzüglich der Rentenbeiträge, die du und dein Arbeitgeber im selben Jahr zahlen (§ 10 Abs. 1 Nr. 2 Buchst. a und Abs. 3 EStG). Im Jahr der Abfindung senkt das dein zu versteuerndes Einkommen und damit auch die Steuer auf die Abfindung.
- Dein Arbeitgeber zahlt: Übernimmt er die Beiträge direkt, bleibt die Hälfte davon steuerfrei (§ 3 Nr. 28 EStG). Die andere Hälfte gehört zu deinem steuerpflichtigen Arbeitslohn.
Drei Szenarien im direkten Vergleich
Die folgende Tabelle zeigt, wie sich die Fünftelregelung bei unterschiedlichen Einkommensverhältnissen auswirkt. Alle Werte als Single, Tarif 2026, ohne Kirchensteuer, inklusive Solidaritätszuschlag, auf volle Euro gerundet.
| Szenario | zvE laufend | Abfindung | Steuer regulär | Steuer F5 | Ersparnis |
|---|---|---|---|---|---|
| Niedriges Einkommen | 25.000 € | 40.000 € | 13.355 € | 11.140 € | 2.215 € |
| Mittleres Einkommen | 40.000 € | 60.000 € | 24.906 € | 21.085 € | 3.821 € |
| Spitzeneinkommen | 90.000 € | 100.000 € | 45.025 € | 45.025 € | 0 € |
Beim Spitzeneinkommen wirkt die Fünftelregelung nicht mehr, weil bereits ohne Abfindung der Spitzensteuersatz von 42 Prozent greift und auch Einkommen plus Abfindung unter der 45-Prozent-Grenze von 277.826 € bleiben. Wer in dieser Lage steht, sollte über eine Verschiebung in ein einkommensschwächeres Jahr oder eine Rürup-Einzahlung nachdenken.
Häufige Fragen zur Abfindung
Wie viel Steuer zahle ich auf eine Abfindung?
Eine Abfindung zählt steuerrechtlich als außerordentliche Einkünfte nach § 34 EStG. Die Steuer richtet sich nach deinem persönlichen Steuersatz, und du kannst sie über die Fünftelregelung deutlich drücken. Konkret berechnet das Finanzamt die Steuer so, als hättest du nur ein Fünftel der Abfindung erhalten. Den Differenzbetrag zur normalen Steuer multipliziert es mit fünf. Sozialversicherungsbeiträge entfallen komplett, weil Abfindungen kein laufender Arbeitslohn sind.
Wurde die Fünftelregelung 2025 abgeschafft?
Nicht ganz. Der Arbeitgeber darf die Fünftelregelung seit dem 1. Januar 2025 nicht mehr im Lohnsteuerabzugsverfahren anwenden. Das Wachstumschancengesetz hat sie aus dem Lohnsteuerabzug gestrichen. In der jährlichen Einkommensteuerveranlagung gilt § 34 EStG weiter. Du holst dir die Steuerersparnis also über deine Steuererklärung zurück und musst zwischenzeitlich mehr Lohnsteuer vorfinanzieren.
Lohnt sich die Fünftelregelung immer?
Nein. Wenn dein laufendes Einkommen bereits den Spitzensteuersatz von 42 Prozent erreicht, bringt die Fünftelregelung kaum Vorteil, weil auch das Fünftel im selben Tarifbereich landet. Den größten Effekt hat sie bei mittleren Einkommen mit hoher Abfindung. Der Rechner oben zeigt dir die exakte Ersparnis für deine Konstellation.
Sind Abfindungen sozialversicherungspflichtig?
Echte Abfindungen für den Verlust des Arbeitsplatzes sind sozialversicherungsfrei. Es fallen keine Beiträge zur Kranken-, Pflege-, Renten- oder Arbeitslosenversicherung an. Anders sieht es aus, wenn die Zahlung als Lohnersatz für noch nicht abgegoltene Ansprüche fließt, also etwa Resturlaub oder Überstunden. Solche Bestandteile bleiben beitragspflichtig. Bist du nach dem Jobende freiwillig gesetzlich versichert, setzt deine Krankenkasse die Abfindung allerdings als beitragspflichtige Einnahme an.
Rechtliche Grundlagen und offizielle Quellen
- § 1a KSchG: Abfindungsanspruch bei betriebsbedingter Kündigung (Gesetze im Internet)
- BFH, Urteil vom 13.10.2015, IX R 46/14: Teilauszahlung einer Abfindung (Bundesfinanzhof)
- § 32b EStG: Progressionsvorbehalt (Gesetze im Internet)
- Merkblatt Berücksichtigung von Entlassungsentschädigungen (Bundesagentur für Arbeit)
- Fachliche Weisungen zur Sperrzeit nach § 159 SGB III (Bundesagentur für Arbeit)
- § 187a SGB VI: Ausgleich von Rentenabschlägen (Gesetze im Internet)
- FAQ Rentenabschläge und Sonderzahlungen (Deutsche Rentenversicherung)
- § 34 EStG: Außerordentliche Einkünfte und Fünftelregelung – Bundesministerium der Justiz
- § 32a EStG: Einkommensteuertarif – Bundesministerium der Justiz
- § 4 SolZG: Solidaritätszuschlag und Milderungszone – Bundesministerium der Justiz
- Lohnsteuer und Reform Fünftelregelung – Bundesministerium der Finanzen
- Arbeitslosengeld bei Abfindung – Bundesagentur für Arbeit
Die Fünftelregelung ist gut, das Timing entscheidet
Wer eine Abfindung bekommt, sollte zwei Dinge tun: erstens prüfen, ob sich die Auszahlung in ein einkommensschwächeres Jahr legen lässt, zweitens eine Steuerberatung oder zumindest einen guten Steuerrechner zur Hand nehmen. Die Fünftelregelung allein bringt selten den großen Hebel. Sie wirkt erst richtig, wenn dein laufendes Einkommen niedrig ist.
Mein Tipp: Sprich mit deinem Arbeitgeber, ob er die Abfindung erst im Januar überweist, falls dein Arbeitsverhältnis um den Jahreswechsel endet. Ein Monat Verschiebung kann tausende Euro Steuerersparnis bringen. Wenn du im Folgejahr ohnehin geringe Einkünfte erwartest, zahle parallel das Maximum in eine Rürup-Rente ein. Dieser Hebel schlägt fast jede Anlagestrategie.
Und plane den Liquiditätspuffer ein: Seit 2025 zieht der Arbeitgeber die volle Lohnsteuer ab. Die Erstattung kommt erst mit der Steuererklärung. Ohne Reserve auf dem Tagesgeldkonto wird die Phase zwischen Job-Ende und Steuerbescheid eng.
