Steuern und erstes Gehalt: Wohin verschwindet das Geld?
Erste Gehaltsabrechnung, erster Schock: Wieso ist Netto so viel weniger als Brutto? In 5 Lektionen verstehst du, was abgezogen wird und wie du dir Geld zurückholst.
Von Florian Baumann
- Den Unterschied zwischen Brutto und Netto
- Was auf deiner Lohnabrechnung steht und was abgeht
- Welche Sozialabgaben es gibt und wofür sie da sind
- Die Regeln für Minijob und Werkstudentenjob
- Warum sich deine erste Steuererklärung oft lohnt
1Brutto, Netto und der erste Schock
Im Vertrag steht ein Gehalt, aufs Konto kommt deutlich weniger. Willkommen beim Unterschied zwischen Brutto und Netto. Brutto ist dein Gehalt vor allen Abzügen. Netto ist das, was nach Steuern und Sozialabgaben übrig bleibt und tatsächlich bei dir landet.
Dazwischen liegen zwei große Blöcke: Steuern, die an den Staat gehen, und Sozialabgaben, die deine Absicherung bei Krankheit, Pflege, Alter und Jobverlust finanzieren. Je nach Einkommen kann der Unterschied zwischen Brutto und Netto schnell ein Drittel oder mehr ausmachen.
Das ist kein Abzug ins Nichts: Mit deinen Beiträgen bist du krankenversichert, sammelst Rentenansprüche und bist bei Arbeitslosigkeit abgesichert. Trotzdem lohnt es sich zu verstehen, was genau abgeht, damit du dein echtes verfügbares Geld kennst und nicht mit dem Brutto planst.
2Die Lohnabrechnung lesen
Die erste Lohnabrechnung wirkt wie Geheimcode. Ist sie aber nicht. Oben steht das Bruttogehalt. Darunter werden die Abzüge aufgelistet, unten bleibt das Nettogehalt. Die Abzüge teilen sich in zwei Gruppen.
Erstens die Lohnsteuer (plus eventuell Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer). Sie geht ans Finanzamt. Zweitens die Sozialabgaben: Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung. Diese vier werden oft mit Kürzeln wie KV, PV, RV und AV abgekürzt. Sie teilen sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer in der Regel.
Es lohnt sich, die Abrechnung kurz zu prüfen: Stimmt die Steuerklasse? Passt das Brutto zum Vertrag? Fehler kommen vor. Wer seine Abrechnung versteht, merkt schnell, wenn etwas nicht stimmt, und kann nachfragen.
3Steuerklassen und Grundfreibetrag
Wie viel Lohnsteuer abgeht, hängt unter anderem von deiner Steuerklasse ab. Die meisten jungen Leute am Anfang sind in Steuerklasse 1 (ledig, keine Kinder). Die Steuerklasse ist nur eine Voreinstellung für den monatlichen Abzug, die endgültige Steuer wird über das Jahr berechnet.
Das Wichtigste zuerst: Es gibt den Grundfreibetrag. Bis zu diesem Betrag pro Jahr zahlst du gar keine Einkommensteuer, das ist das steuerfreie Existenzminimum. Erst was darüber liegt, wird besteuert, und zwar gestaffelt: je mehr du verdienst, desto höher der Steuersatz auf den oberen Teil.
Für dich heißt das: Wenn du als Schüler, Azubi oder Studi nur wenig verdienst, zahlst du oft kaum oder keine Lohnsteuer. Und falls doch im Monat etwas abgezogen wurde, obwohl du übers Jahr unter dem Freibetrag bleibst, holst du es dir mit der Steuererklärung zurück. Dazu gleich mehr.
4Minijob und Werkstudent
Für junge Leute besonders relevant: der Minijob. Bis zur Minijob-Grenze von 603 € im Monat (Stand 2026) bleibt dein Verdienst für dich praktisch steuer- und abgabenfrei. Der Arbeitgeber zahlt Pauschalabgaben. Für dich fällt nur ein kleiner Rentenbeitrag an, von dem du dich sogar befreien lassen kannst. Die Grenze steigt mit dem Mindestlohn, der 2026 bei 13,90 € pro Stunde liegt.
Studierst du und arbeitest nebenbei, greift das Werkstudentenprivileg. Wer im Semester maximal 20 Stunden pro Woche arbeitet, zahlt nur den Rentenbeitrag, aber keine Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenbeiträge. Das bringt dir spürbar mehr Netto als ein normaler Job mit gleichem Brutto.
Achtung bei mehreren Jobs und beim Thema Familienversicherung oder BAföG: Wer zu viel verdient, kann Ansprüche verlieren oder rutscht in die volle Sozialabgabenpflicht. Im Zweifel vorher informieren, damit du nicht überrascht wirst.
5Deine erste Steuererklärung
Steuererklärung klingt nach Bürokratie-Albtraum, ist für junge Leute aber oft ein Geldgeschenk. Der Grund: Wurde dir übers Jahr zu viel Lohnsteuer abgezogen, etwa weil du nur ein paar Monate gearbeitet hast, holst du dir die Differenz zurück. Für viele Studierende und Azubis springt da eine nette Rückzahlung raus.
Absetzen kannst du Werbungskosten, also Ausgaben rund um Job oder Ausbildung: Fahrtkosten, Arbeitsmittel wie Laptop oder Fachbücher, Bewerbungskosten. Dafür gibt es sogar einen Pauschbetrag, den du automatisch bekommst, ohne jeden Beleg einzeln nachzuweisen.
Die Erklärung machst du heute bequem online über das offizielle Portal der Finanzverwaltung oder mit einer Steuer-App. Und keine Sorge: Wer freiwillig abgibt und am Ende doch nichts zurückbekommt, muss in der Regel nichts nachzahlen. Probieren lohnt sich fast immer.
Als Nächstes: Versicherungen und Altersvorsorge
Im letzten Modul klären wir, was du ab 18 wirklich versichern musst und warum ein früher Vorsorge-Start dein größter Geld-Vorteil ist.
Zurück zur KursübersichtPlan mit dem Netto, hol dir den Rest zurück
Der häufigste Anfängerfehler: mit dem Bruttogehalt rechnen. Plane dein Leben immer nach dem Netto, also nach dem, was wirklich ankommt. Und unterschätze die Steuererklärung nicht. Gerade in Ausbildungs- und Studienjahren ist eine Rückzahlung eher die Regel als die Ausnahme.
Mein Rat: Gib deine Steuererklärung ab, auch wenn du wenig verdient hast. Es dauert mit einer App oft unter einer Stunde, und überraschend oft kommt Geld zurück. Probier vorher unseren Brutto-Netto-Rechner, damit dich die erste Abrechnung nicht kalt erwischt.
