ETF und Investieren: Dein Weg zum Vermögen
Jetzt wird es konkret. ETFs sind der wahrscheinlich einfachste Weg, langfristig Vermögen aufzubauen. Plus der Zinseszins-Rechner, der dir zeigt, was früh anfangen wirklich bringt.
Von Florian Baumann
- Was ein ETF ist und warum er so genial einfach ist
- Warum ETFs für Einsteiger meist die beste Wahl sind
- Wie der Zinseszins dein Geld exponentiell wachsen lässt
- Wie ein ETF-Sparplan funktioniert
- Wie du ein Depot eröffnest, ab 18 oder per Junior-Depot
1Was ist ein ETF?
Ein ETF ist ein Fonds, der einen Index nachbildet. Die Abkürzung steht für Exchange Traded Fund, also börsengehandelter Fonds. Statt einzelne Aktien zu kaufen, kaufst du mit einem ETF automatisch alle Aktien eines Index auf einmal. Ein ETF auf den MSCI World steckt dein Geld in rund 1.400 Unternehmen weltweit, mit einem einzigen Kauf.
Der Clou: Ein ETF wird nicht von teuren Managern aktiv gesteuert, sondern bildet einfach stur seinen Index nach. Das macht ihn extrem günstig. Diese passive Strategie schlägt langfristig sogar die meisten teuren, aktiv gemanagten Fonds.
Damit bekommst du genau das, was du in Modul 4 als wichtig gelernt hast: maximale Streuung. Geht eine Firma im ETF pleite, fällt das kaum ins Gewicht, weil hunderte oder tausende andere drin sind. Ein breiter Welt-ETF ist deshalb das Lieblingswerkzeug vieler Einsteiger.
2Warum ETFs für Einsteiger ideal sind
Drei Gründe machen ETFs für junge Leute zur ersten Wahl. Erstens: breite Streuung. Mit einem Produkt bist du weltweit investiert. Zweitens: niedrige Kosten. Die jährliche Kostenquote, die TER, liegt bei breiten ETFs oft unter 0,2 %. Bei aktiven Fonds sind 1,5 % und mehr üblich, und die fressen über Jahre einen großen Teil deiner Rendite.
Drittens: Einfachheit. Du musst keine Aktien analysieren, keine Bilanzen lesen, keinen perfekten Einstiegszeitpunkt finden. Du kaufst den Markt und lässt ihn für dich arbeiten. Genau deshalb empfehlen unabhängige Verbraucherschützer breit gestreute ETFs als solide Basis.
Wie viel Rendite ist realistisch? Ein breiter Welt-ETF hat langfristig im Schnitt grob 6 bis 8 % pro Jahr gebracht. Wichtig: Das ist ein langfristiger Durchschnitt mit kräftigen Schwankungen dazwischen, keine Garantie. Für Planungen rechnen viele vorsichtig mit etwa 6 %.
3Der Zinseszins: Dein bester Freund
Der Zinseszins ist der wichtigste Effekt beim Investieren. Das Prinzip: Deine Erträge bleiben investiert und werfen selbst wieder Erträge ab. Im Jahr darauf verdienst du also nicht nur auf dein Geld, sondern auch auf die Gewinne von vorher. Das klingt unspektakulär, ist aber über lange Zeit explosiv.
Der Grund: Dein Geld wächst nicht gerade, sondern exponentiell. Am Anfang merkt man wenig, doch nach 20, 30 Jahren macht der Zinseszins den Löwenanteil deines Vermögens aus. Genau deshalb ist Zeit dein größter Vorteil als junger Mensch. Niemand sonst hat so viele Jahre vor sich.
Eine schnelle Faustformel ist die 72er-Regel: Teile 72 durch deine Rendite, und du weißt, nach wie vielen Jahren sich dein Geld grob verdoppelt. Bei 7 % sind das rund 10 Jahre. Probier im Rechner unten aus, was aus kleinen Beträgen über die Jahre wird. Die Zahl überrascht fast jeden.
Zinseszins-Rechner: Was wird aus deinem Sparplan?
Stell ein, wie viel du monatlich sparst, wie lange und mit welcher Rendite. Der Rechner zeigt dir, wie viel davon dein eigenes Geld ist und wie viel der Zinseszins beisteuert.
4Der ETF-Sparplan
Du musst kein Vermögen haben, um zu starten. Mit einem ETF-Sparplan legst du automatisch jeden Monat einen festen Betrag in einen ETF an, oft schon ab 1 € oder 25 €. Das läuft per Dauerauftrag, ganz ohne dass du dich kümmern musst. Genau das Pay-yourself-first-Prinzip aus Modul 2, nur fürs Investieren.
Ein angenehmer Nebeneffekt heißt Cost-Average. Weil du regelmäßig kaufst, bekommst du bei hohen Kursen weniger und bei niedrigen Kursen mehr Anteile. Über die Zeit ergibt sich ein Durchschnittspreis. Du musst also nie den perfekten Einstiegszeitpunkt erwischen, ein riesiger Stressfaktor fällt weg.
Wichtig bleibt die Reihenfolge aus Modul 2: erst Notgroschen, dann investieren. Und investiere nur Geld, das du viele Jahre nicht brauchst. Denn der ETF entfaltet seine Stärke erst über lange Zeiträume, in denen er Schwankungen aussitzen kann.
5So eröffnest du ein Depot
Um ETFs zu kaufen, brauchst du ein Wertpapierdepot. Das ist wie ein Konto, nur für Wertpapiere. Selbst eröffnen darfst du es in Deutschland ab 18. Bist du jünger, können deine Eltern ein Junior-Depot auf deinen Namen eröffnen und für dich besparen, ein starkes Geschenk mit jahrzehntelangem Zinseszins-Vorlauf.
Anbieter gibt es viele: klassische Banken und günstige Neobroker per App. Achte vor allem auf niedrige Kosten, also geringe oder keine Depotgebühren und günstige Sparplan-Konditionen. Über Jahrzehnte macht jeder Prozentpunkt Kosten einen großen Unterschied.
Der Einstieg ist heute einfacher denn je: Depot per App eröffnen, einen breiten Welt-ETF aussuchen, Sparplan einrichten, fertig. Du musst kein Profi sein. Du musst nur anfangen und dann dranbleiben.
Als Nächstes: Krypto und digitale Assets
In Modul 6 schauen wir nüchtern auf Bitcoin und Co.: was dahintersteckt, welche Risiken real sind und wie du Scams sofort erkennst.
Zurück zur KursübersichtDer beste Tag zum Anfangen war gestern, der zweitbeste ist heute
Ich werde oft gefragt, wie man reich wird. Die ehrliche Antwort ist langweilig: breit streuen, günstig per ETF-Sparplan investieren und Jahrzehnte dranbleiben. Kein Geheimtipp, keine heiße Aktie. Genau das funktioniert, weil der Zinseszins die Arbeit übernimmt.
Mein Rat: Fang mit einem kleinen Betrag an, sobald du Notgroschen und Überblick hast. 25 oder 50 € im Monat reichen für den Start. Wichtiger als die Höhe ist die Zeit. Probier im Zinseszins-Rechner, was daraus über die Jahre wird.
