Firmenwert Rechner
Berechne den Wert deines Unternehmens mit drei anerkannten Bewertungsmethoden: Ertragswertverfahren, EBITDA-Multiple und Substanzwertverfahren.
Firmenwert berechnen
Die drei wichtigsten Bewertungsmethoden und ihre Anwendung in der Praxis
Ertragswertverfahren
Das Ertragswertverfahren ist in Deutschland die am weitesten verbreitete Methode zur Unternehmensbewertung und wird vom Institut der Wirtschaftsprüfer (IDW) im Standard S1 geregelt. Es berechnet den Unternehmenswert auf Basis der nachhaltig erzielbaren Gewinne.
Beispiel: 250.000 € / 0,12 = 2.083.333 €
Der nachhaltig erzielbare Jahresertrag ist nicht identisch mit dem ausgewiesenen Jahresgewinn. Er wird um einmalige Ertrags- und Aufwandsposten bereinigt und um ein marktgerechtes Inhabergehalt korrigiert. Typische Korrekturen betreffen: überhöhte oder zu niedrige Inhabergehälter, einmalige Verluste oder Gewinne, nicht betriebsnotwendiges Vermögen sowie steuerliche Optimierungen.
EBITDA-Multiplikatorverfahren
Das Multiplikatorverfahren ist in der M&A-Praxis die dominierende Methode, weil es schnell anwendbar ist und sich direkt an Markttransaktionen orientiert. Der Firmenwert ergibt sich, indem das EBITDA mit einem branchenspezifischen Faktor multipliziert wird.
Beispiel: 400.000 € × 6,5 = 2.600.000 €
| Branche | Multiplikator (niedrig) | Multiplikator (hoch) | Typisch (KMU) |
|---|---|---|---|
| Software / SaaS | 8x | 15x | 10x |
| E-Commerce | 5x | 9x | 7x |
| Gesundheit / Pharma | 7x | 12x | 9x |
| Industrie / Maschinenbau | 5x | 8x | 6,5x |
| Großhandel (B2B) | 4x | 6x | 5x |
| Einzelhandel (B2C) | 3x | 5x | 4x |
| Beratung / Dienstleistungen | 4x | 7x | 5,5x |
| Bau / Handwerk | 3x | 5x | 4x |
| Gastronomie / Hotel | 2x | 4x | 3x |
Substanzwertverfahren
Der Substanzwert entspricht dem Wiederbeschaffungswert aller Vermögensgegenstände abzüglich der Schulden. Er gilt als Untergrenze der Bewertung und ist besonders relevant bei Unternehmen mit hohem Anlagevermögen, wie Produktionsbetrieben oder Immobilienunternehmen.
Beispiel: 600.000 € + 50.000 € = 650.000 €
Reine Dienstleistungsunternehmen mit geringem Anlagevermögen haben oft einen niedrigen Substanzwert. Hier liegt der Kaufpreis in der Regel deutlich über dem Substanzwert, da der Firmenwert (Goodwill) den entscheidenden Wertanteil ausmacht.
Welche Methode ist die richtige?
In der Praxis wenden erfahrene M&A-Berater immer mehrere Methoden gleichzeitig an und bilden dann eine begründete Bewertungskorridoraussage. Die drei gängigsten Vorgehensweisen:
- Kleine KMU (Umsatz unter 1 Mio. €): Häufig dominiert das Ertragswertverfahren, ergänzt durch den Substanzwert als Untergrenze.
- Mittelstand (1–20 Mio. € Umsatz): Kombination aus Ertragswert und EBITDA-Multiple; Substanzwert als Orientierung.
- Wachstumsunternehmen / Start-ups: DCF-Verfahren (Discounted Cash Flow) oder umsatzbasierte Multiples, da EBITDA oft negativ oder zu niedrig ist.
- Immobilien- oder produktionsintensive Unternehmen: Substanzwert gewinnt an Gewicht; teils Mischverfahren aus Substanz- und Ertragswert.
Häufige Fragen zum Firmenwert
Was ist der Unterschied zwischen Unternehmenswert und Kaufpreis?
Wie hoch ist der Firmenwert bei einem Verlust?
Welchen Kapitalisierungszins soll ich verwenden?
Zählt der Firmenwagen oder das Privatvermögen zum Unternehmenswert?
Der Rechner liefert die Bandbreite, der Käufer macht den Preis
Keine Formel ersetzt den Markt. Ich sehe die drei Methoden deshalb als Verhandlungswerkzeug: Der Substanzwert markiert deine Schmerzgrenze nach unten, Ertragswert und EBITDA-Multiple stecken den realistischen Korridor ab. Wer mit einer sauber begründeten Bandbreite in Gespräche geht, verhandelt deutlich besser als mit einer einzelnen Wunschzahl.
Der größte Werthebel steckt übrigens nicht in der Bewertungsmethode, sondern in deinem Unternehmen selbst. Wenn du einen Verkauf planst, fang zwei bis drei Jahre vorher an: Mach dich als Inhaber ersetzbar, baue wiederkehrende Umsätze auf und dokumentiere ein sauber bereinigtes EBITDA. Genau diese Punkte entscheiden, ob du den niedrigen oder den hohen Multiplikator deiner Branche bekommst.
Und nach dem Verkauf: Lass den Erlös nicht unverzinst auf dem Geschäftskonto liegen. Im Firmen-Tagesgeld-Vergleich siehst du, wo Unternehmen aktuell die besten Zinsen bekommen.
